Cuenca, Cajas und Chaos in Chiclayo

„¡Adiós Ecuador y hola Peru!“

Uupsss, da sind mal eben ein paar Monate verflogen seit meinem letzten Eintrag!

Hiermit bitte ich dann erstmal all meine wenigen treuen und mehr untreuen Leser, meine Untreue gegenüber auch nur irgendeiner Regelmäßigkeit zu verzeihen. Das schiebe ich jetzt einfach darauf, dass mir Lateinamerika langsam in Fleisch und Blut übergeht. Weniger deutsch-strikte Regelmäßigkeit, dafür mehr lateinamerikanisch-entspanntes „Was du heute kannst besorgen, das besorge lieber übermorgen“.
Oder war ich etwa schon immer so…? haha

Ich nehme mir erneut vor, kürzere Einträge zu posten und dafür mehr. Ein (minimal) verspäteter Neujahrsvorsatz! Mal gucken ob es dieses Mal klappt…

Nach Galápagos ging es jedenfalls so weiter:

Nochmal „Cajas und Cuenca“!

So viel Zeit… Nach meinem Monat auf den für mich verzaubernd schönen Galápagos-Inseln reizte ich meine 90 Tage Touristenvisum noch bis auf’s Letzte aus. Das waren dann eine Woche durchgehend in Rositas Bett in Guayaquil entspannend, Sandwiches essend (mit ganz viel lecker Honeymustard) und blogschreibend. Und in meinen letzten Tagen besuchte ich ein zweites Mal meinen heißgeliebten Nationalpark „El Cajas“ und die dazugehörige Stadt Cuenca. Wer sich nicht mehr erinnert, dazu hier der Eintrag (Link). : )

Aber dieses Mal raste ich dort nicht nur mit dem Auto durch und machte mit vier Freunden ein durchgeknalltes Wochenende.
Dieses Mal ging ich alleine, mit klarem Ziel vor den Augen, fand auf Couchsurfing die bezaubernde Mercy und gab mich in meinen letzten zwei Tagen ganz dieser hinreißenden Natur hin.

Was andere Leute durch vergleichsweise wenige große Pflanzen und/oder Bäume und Tiere vielleicht abwertend als „karg“ oder „Steppe“ benennen würden, wirkt auf mich beeindruckend rein. Und schlicht. Und klar. Und einfach pur. Wow. Meist sieht man die Berge und Täler mit bestimmten pieksigen gelbgrünen Gräsern bedeckt, die in der Sonne schimmern und von weitem wie seidiges Fell wirken. Oder sie sind nackt und rau und steinig.
Aber am bezeichnendsten sind immernoch die unzähligen bezaubernden Lagunen, die Cajas so einzigartig machen. Fast wellenfrei und glasklar ist es, als käme der Himmel und seine Wolken auf die Erde nieder. Als würde man, statt um eine Lagune, um einen riesigen Spiegel wandern.
Und das alles zusammen… Die nackten, weichen Berge mit ihren Pflanzen, die es meist gerade mal auf Kniehöhe schaffen, die spiegelnden Seen, die Nähe zu den Wolken und die feine, kühle Höhenluft sind für mich wie eine Natur, die den Nagel auf den Kopf trifft. Ohne Schickschnack, wie von allem Unnötigen befreit, ist Cajas eben rein. Und schlicht. Und klar. Und einfach pur. Und wow.

Ich befehle: Alle, die in Zukunft mal nach Ecuador reisen sollten, müssen da Halt machen!

Ich bin sehr, sehr, sehr froh, dass ich da noch ein Mal hingefahren bin. Malwieder etwas ganz Besonderes.
Und besonders war auch meine Gastgeberin Mercy. Gleich bei der Kontaktaufnahme über Couchsurfing sagte sie mir, sie empfinge mich liebend gerne, aber wäre in den ersten Tagen nicht Zuhause. Und gerade schliefe auch schon ein französischer Couchsurfer auf dem Boden, aber der würde mir dann einfach aufmachen und ich könne in ihrem Bett schlafen. Äußerst überrascht über diese Unbeschwertheit traf ich mich mit besagtem Franzosen namens Erwan. Der erste seit drei Monaten, der meinen Namen richtig aussprechen konnte. Erwan ist ein sehr nettes Kerlchen und ich verbrachte (mit Höhenkrankheit und Erkältung) ein paar unbeschwerte Tage dort in Mercy’s Wohnung. Als sie von ihrer Reise zurückkahm, schliefen wir zu zweit in ihrem Einzelbett, grade erst frisch bekannt und trotzdem kuschlig nah beieinander, wir fanden uns eben von Anfang an super sympathisch.

Mercy. Ganz sorgenfrei gab sie den Schlüssel zu ihrem Heim aus der Hand, ohne mich näher zu kennen. Schlichtweg der erste Eindruck zählte, und der war auch nur aus dem Internet. Angsthasen sagen da „Aber da kann sich doch jeder Massenmörder gut und jeder Glöckner von Notre-Dame hübsch darstellen!“. Ganz recht. Aber der wird dann schnell gemeldet oder bekommt eine schlechte Bewertung auf der Seite und niemand will den rügen Lügenbold mehr zu Gast. Außerdem ist Verlass auf den guten ersten Eindruck und die natürliche eigene Menschenkenntnis. Wenn man mal eine schlechte Erfahrung mit einem Couchsurfer hat, hat man immernoch jederzeit die freie Wahl einfach abzuhauen.
Wie gesagt, diese exreme Art der Offenheit Mercy’s überraschte mich trotzdem. Dagegen hätten dann schon die ärmsten Deutschen zu sehr Angst um ihre Hartz-4-finanzierten Laptops, Tablets, Flatscreens und Co., als dass sie jemanden einfach so in ihr Haus lassen würden.
Doch als ich mit Erwan Mercy’s winzige Wohnung betrat, die gerade mit dem Nötigsten ausgestattet ist… Kein Fernseher, kein Computer, kaum Kücheneinrichtung und nur eine Gasflasche, die man jeweils zum Kochen oder heiß Duschen umhertragen und neu anschließen muss… Da dachte ich mir: „Nagut, hier gibt’s ja auch nichts zu klauen…“ Tja, so ist das eben in nicht wenigen Haushalten hier…

Chiclayo

An meinem 89. Tag in Ecuador setzte ich mich schließlich in einen Bus irgendwohin nach Peru, um pünktlich am 90. das Land zu verlassen. Übrigens, egal in welches Land Lateinamerikas, bei der Einreise bekommt ein Europäer automatisch volle 90 Tage Touristenvisum, mit dem er auch Freiwilligenarbeit leisten kann, so wie ich (ein Mal haha). Und wenn man lieb fragt, bekommt man auch schon mal unproblematisch einen Stempel für sechs Monate in den Pass, aber das fand ich leider erst später heraus.

Mein erster Plan für Peru war, dem vorgereisten Erwan nachzureisen, ihn im Norden Perus in Jaén zu treffen, um dann gemeinsam Weihnachten nicht alleine zu verbringen und durch die Berge zu wandern. Bergführer ist nämlich sein Beruf.
Doch jedes Mal, das wir in Kontakt traten, war er schon längst eine Stadt weiter. Und ich, die sich inzwischen lamgsam als Ich-bleibe-gerne-einen-Monat-irgendwo-Reisende herauskristallisierte, kam mit meinem Schneckentempo einfach nicht hinterher.

Also strandete ich nachts um 22 Uhr ohne Plan oder Anhaltspunkt im großen, hässlichen und gefährlichen Chiclayo und fühlte mich promt ein bisschen verloren. Neu angekommen in einem fremden Land, dreieinhalb mal größer als Deutschland, mit nur halbwegs schlechtem Spanisch, nachts auch noch, null informiert (bis auf dass irgendwo Lima und Machu Picchu sein müssten) und mein französischer Freund reiste in einem Affenzahn voraus, sodass ich ihn niemals einholen würde. Und noch dazu war mein erster Anlaufpunkt wohl eine der chaotischsten Städte Perus.

In Ecuador hatte ich von Anfang an die wunderbare Rosita und alles ergab sich von selbst. Ich lernte ihre Freunde und Freundesfreunde und Freundesfreundesfreunde kennen, die Kontakte und damit Reisen kamen mir nur so zugeflogen. Immer fühlte ich mich sicher und beschützt.
Und auf meine Couchsurfing-Anfragen in Chiclayo antwortete mir niemand, also hatte ich dort wirklich rein gar nichts und fühlte mich hilflos und verwirrt vor lauter Was-mache-ich-denn-jetzt.
Eine peruanische Rosita wäre mir da ganz lieb gewesen.

Am nächsten Morgen schlenderte ich also ziellos durch die Straßen, um mich mit meiner neuen Umgebung vertraut zu machen. In Chiclayo herrscht ein großes Wirrwarr aus Menschen und Autos und Läden und wandernden Ständen mit Krimskrams und Essen.

Normalerweise kann man in jeder Stadt oder Städtchen in Peru mindestens einen Markt in einem großen Gebäude finden, das extra dafür errichtet wurde. Dort findet man frisches Obst und Gemüse, weniger frisches, von Fliegen umringtes Fleisch (inklusive Hühnerfüßen, Schweinehaut und Rinderköpfen), komischen Weichkäse und ab und an getrocknete Lama-Föten und „Hexenkräuter“ zu den günstigen Preisen. Ebenso ausgezeichnete Saftläden (ernsthaft!) und chaotische Mini-Restaurants, in denen Geld und Essen gleichermaßen angepackt werden. Supermärkte wie wir sie kennen sind selten und in vielem teurer. Die meisten Einheimischen und auch ich decken sich lieber auf dem Markt mit sämtlichen Lebensmitteln ein, wobei ich natürlich einen Bogen um die leicht verderblichen Dinge mache. Und dort bekommt man auch meist geniales Frühstück. Ab 0,80 Euro bereiten dir die besagten Saftläden einen Liter frischen Saftes zu, dabei kannst du dich frei austoben und dirigieren wie du willst. Orange, Ananas, Papaya, Banane, Lucuma, Erdbeeren, Aloe Vera, Minze, Quinua, Honig, Milch und und und. Besonders toll finde ich die Erfindung Rote Beete-Karotte-Honig-Ingwer. Dazu ein Sandwich mit ausnahmslos perfekter Avocado oder ein Vanillekuchen für 0,40 Euro und ich bin satt und glücklich.
Wie ich das vermissen werde im Discounter-Supermarkt-Deutschland mit immer faulen oder steinharten Avocados…

Jedenfalls fand ich in Chiclayo so einen Markt natürlich nicht. Stattdessen werden zur Marktzeit einige Straßen geschlossen und die Stände breiten sich bis auf den Asphalt aus. Auf Wegen und Straßen gibt es ein riesen Gedränge und abends sieht man am Bordstein Feuerchen brennen, in denen die Verkäufer am Ende ihren Müll verschwinden lassen. Und was nicht verbrannt wird, bleibt eben dekorativ auf dem Boden liegen.

Alle warnten mich, in Chiclayo immer vorsichtig zu sein. Die Kriminalität sei hoch, speziell was Raub uns noch spezieller raubende Taxifahrer plus Komplizen angeht. Also nahm ich nie meine Kamera mit und die Stadt brannte sich für alle Ewigkeit als furchtbar und schmutzig in mein Gedächtnis. Entschuldige Chiclayo, aber falls du auch ein paar schöne Seiten haben solltest, hättest du dir ruhig mal ein bisschen mehr Mühe geben können.

Schon komisch… Wie oft sagte ich schon, dass ich an nichts glaube? Also an Gott meine ich jetzt. Oder Schicksal oder Bestimmung oder sowas. Aber wenn ich gerade mal einen schlechten Tag habe und mich verloren fühle, muss ich nur gelassen bleiben und stark sein und dann kommt mir doch irgendwie das Nächste zugeflogen. Das hat dann doch manchmal den Anschein, als wäre da ein Plan.
In bisher neun Monaten Reise lernte Merle: „Egal wenn es dir schlecht geht, wenn du Vertrauen in das Gute, in dich, die Menschen und das Leben (*) hast, wird alles wieder gut.“      * (und Couchsurfing)

Und so antwortete mir am Abend dann doch noch die kleine Couchsurfing-Jungfrau Amelí und wir trafen uns zum Essen.
Zu aller erst klärte sie mich auf, dass sich mein Hostel in einer der gefährlichsten Gegenden befindet und ich lachte. Dann quatschen wir, so richtig wie Mädchen, bei Chinanudeln, über Gott und die Welt. Nur statt über Gott über alles andere. Sehr lustig. : )

Da sie selbst arbeitete, ließ sie mich am nächsten Tag mit ihrem durchgeknallten Freund Ernesto losziehen, der mir dabei half einen, wie wir ja so schön sagen, alten Knochen als neues Handy zu kaufen. Das hat sogar Snake!! Yeeha! Das rettete mich später viele Male vom Langeweiletod in einer Klinik in Cusco, haha… Aber dazu viieeeel später. 
Ernestos ausgeprägter Löwenmutter-Beschützer-Komplex verhinderte, dass ich mich in der Chaosstadt verlor und er lud mich zum Abendessen in das Haus seiner Familie ein. Da gibt es Szenen, die werde ich niemals vergessen, haha… Ich fühlte mich fast ein bisschen wie in einer Slapstick-Komödie.
Zuhause waren seine Oma, Mutter und Tante, drei gastfreundliche, 150% katholisch fromme Frauen. Dessen war ich mir aber erst danach so sehr bewusst.
Da saßen wir dann also, die drei nach Alter und Größe aufgereiht an einer Tischkante, Ernesto und ich gegenüber, und versuchten uns an Smalltalk. Wobei ich eigentlich nur freundlich schüchtern ihren Fragenkatalog beantwortete. Und dann fragten sie mich natürlich irgendwas über Gott. Ich dachte mir nichts dabei und antwortete ganz ehrlich brav, ich würde nicht an Gott glauben und das wäre mittlerweile in Europa aber auch ganz normal. Da schraken sie gleichzeitig auf, schlugen sich die Hände vor den Mund, als hätte ich mich plötzlich in ein hässliches Monster verwandelt und bekreuzigten sich in nahezu synchronem Takt. Die nächsten Minuten hagelte ein messerscharfer Bekehrungsregen auf mich nieder, so zum Beispiel: „Wie traurig, so ein nettes Mädchen und verloren.“, „Du musst zu Gott beten, sonst kommst du in die Hölle!“ und das Krasseste von der Tante: „Es ist, als hättest du mir mit deinem Unglauben einen Pflock ins Herz gestochen.“ Die uralte Oma fasste sich nur ans Herz und schüttelte mitfühlend den Kopf.
Ups, da war ich dann jedenfalls ziemlich eingeschüchtert. Ach du meine Güte, was ist denn hier los…
Beim Essen beruhigten sie sich zum Glück wieder und später fragten sie, wie es mir ginge. Da war ich doch glatt so blöd schonwieder die Wahrheit zu sagen und gestand, mir wäre nach einer Dusche. Dazu war ich seit der 11-stündigen Busreise nämlich nicht gekommen und freute mich schon darauf in Amelís Zuhause. Nur ging auch das nach hinten los und sie luden mich ein, bei sich zu duschen. Alles Zurücknehmen und Nein-Danke wurde abgewinkt und ich duschte mich tatsächlich bei den drei Frauen, die mich schon bei Luzifer im Fegefeuer brennen sahen. Ohne Shampoo und Seife, bei eiskaltem Wasser und mit in Peru fast obligatorischem Elektroshocker-Wasserhahn, mit einem Baby-Wickeltuch trocknete ich mich ab…
Oh man, wie peinlich…
Aber auch der Tag hatte irgendwann ein Ende und bringt mir inzwischen wenigstens ein nettes Anekdötchen.

Ich muss wohl echt mal platten Smalltalk üben…

Die Nächte schlief ich mit Amelís Oma in einem Zimmer und meinen letzten Tag zog mit ihrem lässigen Brüderchen Victor und drei seiner Ingenieur-Freunde als Bodyguards an die nahegelegene Küste auf Fototour. Ich durfte seine beneidenswerte Kameraausstattung ausprobieren, sie luden mich auf ein Fischgericht ein, für die Chiclayo angeblich berühmt ist, und trotz kahlem Surfer-Strand namens Pimentel lernte ich die Stadt trotzdem nicht lieben. Aber wenigstens sind ein paar nette Fotos entstanden. Oft sind die hässlichsten Gegenden eben die fotogensten.

Grob schmiedete ich den Plan, vom Norden bis auf die Höhe von Lima durch die Anden zu reisen, dann ein bisschen Küste zu sehen und in einem Bogen durch den Süden alle Sehenswürdigkeiten bis nach Bolivien abzuklappern.
Das günstigste nächste Ziel war demnach Chachapoyas, die Hauptstadt des Bezirks Amazonas, und um nach drei Tagen und Nächten endlich von Chiclayo wegzukommen, nahm ich schnell eine vorweihnachtlich überteuerte Nacht-Busfahrt. 

Aber wie ich dort ankam, es mir im Wechsel schlecht und gut ging und wie ruckzuck ein weiterer Monat verflog, gibt es in meinem nächsten, gaaanz bestimmt schnelleren und kürzeren, Eintrag:

„Chachapoyas und mein (langsames) Erwachen“
Die Fotos sind schon fertig. : )

Den Tipp zu meinem Blog darf man übrigens gerne weitersagen. hehe

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Ein Traum zum Anfassen: Galápagos!

28 Tage Galápagos sind vergangen.

So gerne hätte ich die Zeit irgendwie angehalten, doch je mehr ich sie genoss, desto schneller flog sie davon. So eine Gemeinheit…
Jeden Tag saugte ich also in mich auf wie ein Schwamm, aber trotzdem habe ich nicht das Gefühl, schon fertig mit diesen Inseln zu sein. Das Leben dort, das Wetter und ganz besonders Flora und Fauna sind einfach Wahnsinn.
Ich fühlte mich so fern von allem was ich bisher kannte. Deutschland. Fern von der Realität wie sie ich sie hatte und wieder haben werde, wenn ich zurückkehre. Arbeit, Verpflichtungen, Stress und Alltag waren so weit weg wie nie.
Ich vermisse es sehr… Aber wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass ich je in meinem Leben nach Galápagos zurückkehre? An diese traumhaften Strände, in diese einzigartige Tierwelt, in diese Vielfalt… Nicht umsonst wird Galápagos auch „die verzauberten Inseln“ genannt. : )

Ein paar Infos

Das Archipel Galápagos besteht aus 13 Inseln, 10.800 km von Hamburg und 1.000 km vom Festland Ecuadors entfernt. Nur vier der größten Inseln Isabela, Santa Cruz, San Cristobál und Florena sind durch kleine Dörfer und jeweils ein Städtchen bewohnt, doch bleiben 95% der Fläche weiterhin unter strengem Naturschutz.

Galápagos sind nur die Spitzen von einem Haufen riesiger Vulkane, die sich durch das Bewegen der tektonischen Platte Nasca über eine Magmakammer errichteten und sich auch noch weitere sieben Zentimeter im Jahr Richtung Festland schieben. Der höchste Punkt ist der Vulkan „Wolf“ auf Isabela, 1.700 Meter über dem Meeresspiegel und 2005 das letzte Mal aktiv. Jedoch fließt das Galapagos-Magma gemächlich und ist daher weniger gefährlich. Stattdessen formt es die interessantesten Gebilde, die aussehen wie Kaugummi, Nadeln oder Kilometer lange Tunnel. Also egal wo man sich auf Galápagos befindet, das Vulkangestein ist in den verschiedensten Farben und skurrilen Formen immer allgegenwärtig.

Vom Wind geragen, selbst fliegend, auf Flößen natürlicher Landmasse oder selbst schwimmend, nisteten sich dort im Laufe der Zeit die verschiedensten Pflanzen und Tiere ein. Der Rest der (oft einzig auf Galápagos existierenden) Vielfalt ist den Jahrmillionen Jahren Evolution zu verdanken. Der guten Darwin gab uns dieses Wissen und er erlangte seins durch ebendiese Inseln. Das wären dann vor allem unfassbar viele Vögel, unter anderem Pelikane, Flamingos, Finken und Pinguine, als auch Eidechsen, Schlangen, Leguane und die unbeschreiblich wunderschönen, faszinierenden, riesigen Galapágos Riesenschildkröten.
Und kaum steckt man den Kopf mit einer Tauchbrille unterwasser, befindet man sich inmitten von Fischsschwärmen unzähliger Arten, schwimmt mit anmutigen Meeresschildkröten und wird zum Spielobjekt der Seelöwen und ihrer neugierigen Babys. Mit etwas mehr Suche findet man auch riesige Rochen und verschiedenste Haie und mit außerordentlich viel Glück einen Walhai, der größte Fisch der Welt und sicherlich auch einer der faszinierendsten.

Malwieder durch den Menschen ist auch diese Natur gefährdet. Vor allem bevor das Gebiet unter Naturschutz gestellt wurde, führten die Menschen unbekümmert un- und absichtlich Nutz-, Haustiere und Pflanzen ein, die verwilderten und nun immernoch die endemischen Tier- und Pflanzenarten gefährden. Schweine, die die Eier der Schildkröten ausgraben und fressen, Rinder und Ziegen, die ihnen die Nahrung wegfressen und sie durch ihre verkeimte Scheiße : ) kontaminieren. Hunde und Katzen, die Vögel und Echsen jagen, Ratten, die sowieso alles fressen, Fliegen, die ihre Eier in Vogelnester legen und die Larven sich dann von den Jungvögeln ernähren, Ameisen, Wespen, Viren, aggressive Beerensträucher und und und… Oder an Leguanen übten Soldaten früher gerne ihre Schüsse…

Heute wird alles was nach Galápagos kommt recht streng kontrolliert. Auch beim Betreten und Verlassen der einzelnen Inseln wird jedes Gepäckstück auf Pflanzen oder Tiere überprüft, selbst das der Einheimischen, da sich auch die Inseln untereinander in Flora und Fauna unterscheiden. Ein falscher Same oder eine Ameise könnten dazu führen, dass das Archipel in seiner natürlichen Form noch stärker bedroht wird als eh schon. 2007 gab es sogar eine Jagtkampagne nach wilden Ziegen und Co. von Helikoptern aus. Außerdem wird es in Zukunft zum Beispiel strengere Gesetze für Tourismus und Fischerei geben. Dennoch lässt sich dadurch das Problem nur verringern, nicht ausmerzen. Durch große Schiffslieferungen vom Festland (da Galápagos alles andere als autark ist), das Bedürfnis eines jeden Einheimischen, sich ein eigenes Haus zu bauen, illegaler Einwanderung und mehr, weitet sich der Einfluss des Menschen weiterhin aus. Langsam aber sicher.

Puh… Wem das zu viele trockene Informationen über Galápagos waren, der kann jetzt aufatmen. Wer noch nicht genug hat: hier und hier gibt’s mehr.

Und weil ich gerade nicht zu einer tollen Überleitung fähig bin, gibt es einen abrupten Themawechsel. : )

Auf meiner bisherigen Reise halfen mir zwei besondere Webseiten ganz besonders weiter und eben ganz besonders auf Galápagos:

Auf helpx.net kann sich für eine einmalige Gebühr von 20 € jeder registrieren, der wie ich daran interessiert ist, für Kost und Logis etwas Gegenleistung in Form von Arbeit zu leisten. Das sind dann meistens Backpacker wie ich, die ein bisschen was von der Welt entdecken und trotzdem Geld sparen wollen.
Kaum hat man jedenfalls das Geld bezahlt, stehen einem Informationen und Kontaktdaten von Unternehmen der ganzen Welt zur Einsicht, die ebendiese Volontäre zur Unterstützung suchen. wwoof.net ist ähnlich und beide Webseiten versuchen mit ihren teilnehmenden Unternehmen eine Wichtigkeit auf Nachhaltigkeit und Ökologie zu legen.
Unternehmen und Volontär beschnuppern sich erstmal gegenseitig auf dem jeweilig selbst ausgefüllten Steckbrief (Was machen die, was muss ich machen, finde ich das gut und will ich das machen?), bevor Partei eins schließlich Partei zwei per Mail anschreibt. Wenns beiden passt, wird alles Wichtige wie Zeitpunkt und Zeitraum besprochen und ein Deal gemacht. Alles nur virtuell oder telefonisch, so ganz ohne Vertrag oder Sicherheit. Da beide ja davon profitieren wollen, läuft das in der Regel auch reibungslos ab. Eine Hand wäscht die andere: für ein paar Wochen oder sogar Monate haben Hostels, Farmen, Schuhmacher und Co. ein paar mehr helfende Hände, dafür müssen sie lediglich ein Bett, Essen und Trinken und genügend Freizeit zur Verfügung stellen. Aus der Sicht der Volontäre ist das eine gute Möglichkeit, sich kostengünstig länger an einem Ort aufzuhalten, ihn zu bereisen, eine Sprache zu lernen und Erfahrungen mit Arbeiten zu machen, die man sonst wohl niemals wieder mehr tut. Zum Beispiel Felder zu bestellen oder wie ich Touristen auf Galápagos mit Frühstück zu beglücken.

Webseite zwei ist couchsurfing.org. Menschen weltweit, die gerne multikulturell internationale Kontakte knüpfen möchten, gerne reisen, reisten, reisen werden oder reisen würden oder einfach nur extrem gastfreundlich sind, stellen Reisenden einen Schlafplatz in ihrem Heim zur Verfügung. Man sucht und findet jemanden, erkundet auch hier gründlichst das Profil, beschließt ob man sich kennenlernen möchte und tritt schließlich in Kontakt.
Person X und Y treffen sich, X schläft bei Y auf dem Sofa, Bett oder Boden. Wenn sie sich dann immernoch mögen, unternehmen sie gemeinsam etwas, Y stellt X seine Freunde vor, sie gehen reisen und verlängern die Zeit. Und wenn nicht, dann zieht X halt schnell weiter.
Durch Couchsurfing lernte ich Rosita kennen, durch Rosita Yayo und durch Yayo Diana. Außerdem Paul und Mercy und durch Mercy Erwan und dann Amelí und durch Amelí Amelís Bruder und dann Julio und durch Julio Cecile, Romel, Arnold und und und. Aber dazu wann anders. : ) Für Galápagos ist erstmal Paul wichtig.

Meine Zeit auf den Inseln

Ich kam also am 8. November auf Santa Cruz an, die ersten Tage gab mir mein zukünftiger Chef gleich mal frei. Na das fing ja schon mal sehr gut an. : )
Bevor ich also meine helpx.net-Freiwilligenarbeit auf San Cristobál antrat, durchsuchte ich couchsurfing.org und fand Randy Paul Cordova. Volltreffer. Ein wahnsinnig freundlicher und gastfreundlicher Kerl, born and raised auf Santa Cruz, wunderbar schief und lateinamerikanisch auf der Gitarre improvisierend und singend, Basketball spielend und Touristenführer! Wir verstanden uns prächtig.
Bekannt wie ein bunter Hund grüßt er fast jeden auf der Straße, sowieso ist jeder irgendwie mit jedem verwandt und selbst wenn nicht, nennt man Freunde gerne Cousin und Cousine und fremde Kinder Sohn und Tochter. Wie das mit dem Inzest auf Galápagos so läuft weiß ich natürlich nicht, aber Fakt ist, die Auswahl ist nicht allzu groß. haha
Er zeigte mir die schönsten Orte der Insel und fütterte mich mit Informationen, die ihm durch seine Arbeit sehr leicht von der Zunge gingen, außerdem mit frischem Hummer und anderen typischen Köstlichkeiten. Die Kirsche auf der Sahnehaube war dann nach zwei Monaten ENDLICH mal wieder Basketball! Dadurch, dass sie alle mindestens ’nen Kopf kleiner sind als ich übrigens eine lustige Angelegenheit. : )

Nach vier Tagen war es dann an der Zeit, meine Arbeit in der Hauptstadt Galápagos‘ „Puerto Baquerizo Moreno“ auf San Cristobál im Katarma Hostel anzutreten. Die Betreiber sehen das Hostel nicht nur als einfache Unterkunft für Touristen, stattdessen geben sie ihrer Leidenschaft zur Kunst allen Freiraum und sind immernoch am bauen. In jeder Ecke findet man Kunstwerke aus bunten Mosaiksteinen, mal merkwürdig surrealistisch, meistens aber große Figuren der einheimischen Tiere. Ein bisschen wie Hundertwasser. Ich durfte ihnen sogar meine Ideen für die Stellen mitteilen, die noch in Arbeit sind, und Entwürfe für das Eingangsportal machen. : )

Mit Speedboats, die so schnell fahren, dass sie über jede Welle springen und mit großem Scheppern wieder auf das Wasser krachen, gelangt man innerhalb von zwei Stunden von Insel zu Insel. Während einige grün anlaufen und deren Mageninhalt bis zum Äußersten geht, blieb es bei mir ein Glück immer bei Kopfschmerzen durch die harten Aufpralle. Ein Glück bin ich anscheinend komplett von Flugangst und Seekrankheit gefeit. : )
Genial auch, dass Delfine gerne in den Wellen spielen, die die Boote hinterlassen, sie minutenlang verfolgen, umherspringen und mir damit mein ♡ erfreuten.

Endlich angekommen empfing mich Hotelbesitzers Sohn Andrés David alias Andrés (noch einer!) und machte mich mit meinen Aufgaben vertraut, inklusive Stadtführung. Und… Meine Arbeit im Katarma Hotel kann man nicht wirklich Arbeit nennen. Immer morgens um sieben half ich dem Hotelbesitzer Andrés David (noch einer!) alias David und seiner Angestellten Teresa beim Frühstück. Tische decken, Buffet aufbauen und mehrsprachige Ansprechpartnerin für die oft deutschen Touristen sein.

„Möchten Sie ein Ei zum Frühstück? Rührei, Spiegelei, Omlette oder gekocht?“
„Desean un huevo para el desayuno? Revuelto, frito, tortilla o cocinado?“
„Do you want an egg for breakfast? Scrambled, fried, omlette or cooked?“
Und in Französisch war es leider nur:
„Oeuf?“ haha

Dann immer schön sichergehen, dass Kaffee, Müsli, Brötchen, Käse und so weiter aufgefüllt sind, alles abräumen, abwaschen, selbst frühstücken – fertig!
Den Rest des Tages hatte ich oft komplett frei. Ab und an hielt ich auch abends ein Stündchen die Stellung, um die Gäste zu empfangen wenn sie eincheckten oder von ihren Tagestouren zurückkehrten und sprang zwischendurch mal in den Pool. Zwei Tage war ich sogar ganz allein, weil David tagsüber seiner eigentlichen Arbeit als Inselarzt nachging und Andrés Urlaub nahm, um selbst eine benachbarte Insel zu erkunden. Und dazu immer ein dreitägiges Wochenende.

Alter Schwede… Während andere Touristen mindestens!! 15 Dollar die Nacht und 5 pro Frühstück hinblätterten, ließ ich es mir drei Wochen lang in meinem eigenen Hotelzimmer mit Frühstücksbuffet gutgehen und bezahlte keinen Cent.
Und indem ich ab und zu die Küche dort benutzte, konnte ich nochmal Geld sparen und gleichzeitig ein bisschen dem ewigen Hähnchen mit Reis entgehen.

Das alles heißt jedoch nicht, dass ich nicht eine Menge Geld ausgegeben habe.
Galápagos ist wirklich nicht der richtige Ort zum sparen. Alleine um als Tourist die Inseln betreten zu dürfen, musste ich am Flughafen schon 100 Dollar Gebühr bezahlen. Die Flüge kosteten mich 270, achtmal Speedboat von Insel zu Insel 200, touristische Touren bestimmt nochmal so 200, jedes Mittag- und Abendessen auswärts mindestens 5 Dollar und dann noch Hotelzimmer für 15 Dollar die Nacht… Alles in allem bin ich glaube ich bei etwa 950 Euro für den ganzen Monat. Und das ist dank Katarma Hotel und Paul günstig. Wie gesagt: wer die richtigen Freunde hat spart Bares. Dank seiner Bekanntschaften in der Tourismus- und  Transportbranche sämtlicher Inseln, kamen mir einige Freundschaftsrabatte zugute.
Normale Touristen geben das alleine für die Flüge aus und bleiben dann meistens nur eine Woche. Also, es hat sich mehr als gelohnt. : )

Wenn ich morgens aufwachte, war der Himmel bereits knallblau, tagsüber waren es immer knapp 30 Grad. In meiner Freizeit spazierte ich durch die Gegend, blickte den unerschrockenen Tieren direkt in die Augen, fotografierte Leguane, Seelöwen und Vögel, besuchte einen See in einem Vulkankrater (El Junco), wanderte stundenlang zu den schönsten Stränden der Insel (Baquerizo Beach und Puerto Chino), schnorchelte (besonders gerne in der Bucht „Las Tijeretas“), faulenzte und genoss. Traumhaft! Traumhaft!! Einfach traumhaft!!! Ohh, ich werde ganz melancholisch beim Schreiben…

Ich schwamm dicht an dicht mit diesen beeindruckenden Meeresschildkröten, die ich am Strand „Punto Carola“ dank Paarungszeit in einer sehr großen Gruppe fand. Riesig und durch ihren schweren Panzer eher plump wirkend, bewegten sie sich wie in Zeitlupe durch das flache Wasser, wie ein Engel die Flügel ausgebreitet, wie ein Vogel schwebend, ließen sich von den Wellen hin und her treiben und kauten die Unterwasserflanzen von den Steinen. Wenn ich ihnen zu nahe kam, sahen sie mich erst mit ihren großen Augen argwöhnisch an und verschwanden dann mit einem einzigen seelenruhigen Flügelschlag außer Reichweite.

Während die Seelöwen in großen Kolonien stundenlang am Strand in der Äquatorsonne braten, bewacht von ihrem grölenden Alpha-Männchen, wirken sie eher faul und schwerfällig. Und sie stinken. Zwischen Liegewiese und Toilette wird kein Unterschied gemacht, nebst ihren Fäkalien panieren sie sich im Sand (wie Schnitzel) und bequemen sich dreist auf Fußgängerwege, Treppen und Bänke. Doch sobald sie unterwasser sind, bewegen sie sich flink und elegant wie fließende Seide, ebenso glänzt auch ihr Fell. Besonders die jungen Tiere kamen gerne mal nahe, glotzten, beobachteten, schossen auf mich zu, um sich dann im letzten letzten Moment abzuwenden und ein paar Loopings und Schrauben durch das Wasser zu zeichnen.
Einmal (La Lobería) starrte mir eine Seelöwenmutter direkt ins Gesicht, nur Zentimeter entfernt. Ich war so fasziniert, dass ich gar nicht bemerkte, wie nahe mich die Wellen heranschoben, und sie wandte den Blick nicht ab… Für mich blieb die Zeit stehen und ich sah ihr ein paar endlos lange Sekunden direkt in die Augen, bis sie schließlich genug hatte und mich mit einem Ruck verscheuchte.

Wirklich beeindruckend diese Welt…

An den Wochenenden fuhr ich wieder nach Santa Cruz, wo Paul und seine zauberhafte Oma Blanca mich in ihrem winzigen Häuschen beherbergten. Ein Strahl kaltes Wasser von oben zum Duschen, Insekten überall, kein Internet, kein Luxus und dennoch alles, was ich brauchte. Wir spielten natürlich wieder Basketball, ernteten Kaffee, Orangen, Bananen und Zuckerrohr auf kleinen Ländereien der Familie in den Highlands, verbrachten Zeit mit Onkeln, Tanten, Cousins und Co., sangen schief „Don’t worry, be happy“, begleitet von der ebenfalls schiefen Gitarre und ich hing mich einfach hinten an, wenn Paul wieder eine Touristenführung zu schönen Orten machte und bereiste so die Insel.

Endlose Strände mit feinstem Sand (Tortuga Bay) und in der Sonne schlafenden Meeresleguanen, Mangrovenwälder und andere exotische Pflanzen und natürlich Tiere überall… Wir besuchten auch ein Gebiet in dem sich die riieesigen wilden Galápagos Schildkröten in Massen aufhalten (El Chato) und sahen uns dort einen der kilometerlangen Lavatunnel an, die dadurch entstehen, dass die sehr dünflussige Lava ander Luft schon erkaltet, während sie tiefer noch weiterfließt und schließlich versickert. Dann gibt es Stellen, an denen diese eingestürzt sind und riesige bewaldete Krater ergeben oder „Las Grietas“, eine lange Schlucht, gefüllt mit glasklarem Wasser und Fischen. Ein weiterer Lieblingsort…

Am „Tortuga Bay“ schnorchelte ich gerade gemütlich durch das flache Wasser, schaute suchend nach rechts und links, als ich mich plötzlich inmitten von etwa eineinhalb Meter langen Weißspitzen-Riffhaien befand. Tagsüber lassen sie sich zum Ruhen auf dem Boden nieder oder schwimmen gemächlich im Kreis und bleiben dabei von komischen Gestalten wie mir total unbeeindruckt. Obwohl ich wusste, dass sie nur kleine Fische fressen und ich selbst viel größer und schwerer bin, ging mir ein aufgeregter Schauer über den Rücken. Mit 20 Haien schwimmen… Wow! : )

Meine letzte Woche gab mir Andrés komplett frei, da schon ein neuer Volontär ankommen würde, dieses Mal aus China. Also nutze ich die Gelegenheit und machte an meinem Geburtstag und letztem Tag auf San Cristobál eine 80-Dollar-Tour auf einem Boot, schnorchelte somit an vulkanischen Felsformationen, die hoch aus dem Wasser ragen (León Dormido, Cerro Brujo) und spazierte mit anderen Touristen am schönsten Strand, den ich je gesehen habe (Puerto Grande). Dort machte ich wohl eine der kuriosesten Bekanntschaften meiner Reise, den alleinreisenden 66-jährigen Harry mit seinen allerhand verrückten Geschichten. Als er mir die erzählte, hörte ich ihm mit heruntergefallener Kinnlade zu… Aber zu den Menschen, Reisenden und Einheimischen, gibt es mehr im nächsten Eintrag.

Der León Dormido ist wirklich sehr interessant. Auch dieser Felsen in Form eines schlafenden Löwen ist natürlich vulkanischen Ursprungs, nur dass er nicht aus Lavagestein, sondern aus komprimierter Asche besteht. Unterwasser ist er über und über besetzt mit kleinen bunten Pflanzen und Seeigeln und bietet Lebensraum für unzählige Fische, überwasser ist er Nistplatz für die blaufüßigen Blaufußtölpel und bietet interessante Gesteins- bzw. Aschestrukturen.

San Cristobál kannte ich nach drei Wochen mit mehr Freizeit als Arbeit ziemlich gut, von Santa Cruz sah ich auch eine Menge. Es war an Zeit, in meinen letzten Tagen auf Galápagos etwas Neues zu entdecken. Also ging es ab nach Isabela, der weitaus größten Insel, und Paul, der froh über ein paar Tage Urlaub war, begleitete mich. Übrigens heißt er natürlich nicht wie ein deutscher Paul, sondern wie ein lateinamerikanischer PaUl. : )

Wir machten eine Radtour am endlosen Strand entlang, besuchten einen faszinierenden Mangrovenwald mit jahrhundertealten Exemplaren, dick wie ein VW  Polo breit ist und aßen köstlich im Restaurant eines Freundes.
Dieser lud mich kurzerhand ein, wenn ich nach Galapagos zurückkäme, würde seine Familie für mich eine Grillparty schmeißen und ich könnte in seinem Restaurant helfen für Kost und Logis. Ebenso andere Freunde Pauls, ein Hotelbesitzer und seine Familie luden mich zum wiederkommen und Mithelfen ein, außerdem der Besitzer einer Agentur für Tauchausflüge. Und Pauls Oma Blanca zeigte mir, wo der Haustürschlüssel versteckt ist, damit ich immer reinkommen kann, falls ich wiederkomme wenn grad mal keiner da ist. : )

Am Strand beobachtete und fotografierte ich Pelikane, Möwen, Fregattvögel und Blaufußtölpel wie sie sich in einer einzigen Masse aus Flügeln und Geschrei zusammenfanden, um sich dann gemeinsam im 90-Grad-Winkel ins Wasser zu stürzen und mit kleinen Fischen im Schnabel wieder aufzutauchen.

Und einen Tag lang machte ich eine weitere bezahlte Tour. Gemeinsam mit anderen Touristen wanderte ich stundenlang durch die Natur Isabelas bis 1.200 Meter in die Höhe zum Vulkan „Sierra Negra“, der mit seinem Kraterdurchmesser von 9×10 Kilometern der zweitgrößte aktive Vulkankegel der Welt ist. Weiter ging es zum „Volcán Chico“ über ein riesiges Feld aus schwarzem Vulkangestein und vereinzelten Kakteen. Ich fühlte die schweflige Wärme aus Löchern und Lavatunneln aufsteigen und machte Fotos über Fotos über Fotos von den Hügelspitzen, die nach hinten hin immer weiter im Wolkennebel verschwanden. Angekommen hätten wir einen atemberaubend weiten Ausblick über weite Teile der Insel gehabt, jedoch hatte die Natur ihre eigenen Pläne und verweigerte ihn uns mit Wolken und Nebel en masse. Der Touristenführer meinte, auf einer Skala von 1 bis 10 wäre die Sicht an diesem Tag bei 0 gewesen, so bewölkt hätte er es auch nach Jahren dieser Arbeit vielleicht gerade zweimal zuvor erlebt. Dennoch konnte ich genug sehen, um am Ende des Tages sehr fasziniert und zufrieden zu sein. : )

Und dann… Nach 28 abwechslungsreichen, wunderschönen, interessanten, wunderschönen, unverwechselbaren und vor allem wunderschönen Tagen fand mein Traum schließlich sein Ende und ich flog zurück nach Guayaquil.

Und dort im Katarma Hostel, Stunden und Tage nur mit mir selbst, neben all diesem Glück und Zufriedenheit und Freiheit, fühlte ich mich auch das erste Mal ein bisschen alleine.
Ich habe alles was ich tue und lasse selbst in der Hand, jeden Tag entscheide allein ich. Die anfängliche Aufregung beginnt sich zu legen und mischt sich mit tieferen Gedanken. Ich bin konfrontiert mit meiner Freiheit auf Zeit. Genau genommen bin ich sogar dazu gezwungen, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Ich kann zwar gehen wohin ich will, ja aber nicht vor mir selbst wegrennen und auch das genieße ich. Auf dieser Reise bin ich das erste Mal so ganz ohne die Strukturen, die mich mein ganzes Leben lang umgaben und nun kann ich damit anfangen, mich selbst kennenzulernen. Ich fange an mir Fragen zu stellen: wer bin ich eigentlich? Wer will ich sein? Wovor habe ich Angst? Was ist mir wichtig?
Ein bisschen wie Goldsieben… Ich rüttle leicht an dem Sieb und nach und nach legt sich zwischen all dem unwichtigen Kram des Lebens das Wesentliche frei.
Oder wie Reiten, die Zügel liegen lose in der Hand und ich habe keine Ahnung wohin es jetzt gehen soll. Also lege ich Vertrauen in das Pferd und lasse es laufen, es wird mich schon irgendwohin tragen, wo es schön ist. : )

Galápagos, ich vermisse dich!

Leider fehlen einige Bilder, unter anderem Unterwasser vom Schnorchelausflug, außerdem sind sie wild durcheinander und noch unbenannt. Das Blogschreiben auf diesem Tablet, immer mit extrem langsamen Internet und einer Blog-App, die mich besonders heute durch massenhafte Fehler in den Wahnsinn treibt, machen es mir nicht leicht mit dem Posten. Was nach einfachem Textschreiben und Hochladen der Bilder aussieht, war für mich ewige Arbeit und dank WordPress, das unter anderem gerne wieder Bilder löscht oder abstürzt, ein beachtlicher Nervenaufwand.
Aber naturlich werde ich versuchen, auch den Rest der Bilder noch hochzuladen. : ) Auf in den Kampf! Aber nicht mehr heute, haha

Fröhliche Weihnachten!

Nach drei unfassbar facettenreichen Monaten in Ecuador, davon einen in Guayaquil mit Rosita und Yayo, einen von Strand bis Bergen bis Norden bis Süden bis Westen reisend und einem wundervollen Monat auf Galápagos, habe ich es jetzt nach Peru geschafft!

Mein Galápagos-Eintrag wächst und wächst und ist in ein paar Tagen reif zur Ernte. : )
Bis dahin möchte ich aber Weihnachten nicht unbemerkt vergehen lassen und einen kleinen Zwischenstand geben.

Inzwischen befinde ich mich im peruanischen Chachapoyas und lasse auch hier jeden Tag auf mich zukommen.
Das Städtchen befindet sich im Norden Perus und ist die Hauptstadt des Gebietes Amazonas. Doch ist es hier noch nicht, wie man sich den klassischen Amazonas vorstellt (nass und heiß und Dschungel), sondern 2.300 Meter hoch gelegen, bergig und bewaldet. Wenn die Sonne scheint ist es fast so warm wie an der Küste, bei Wolken und Nachts ist es eisig und meine mitgebrachte Kleidung reicht nur knapp um nicht zu frieren. Da muss ich noch nachrüsten!

Und nun ist überall Weihnachten…
Selbst auf Galápagos, wo die Menschen vermutlich noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen haben, steht seit zwei Monaten in jedem Haus ein kitschig überladener Weihnachtsbaum aus Plastik, unter ihm eine dicke Schicht aus Fleece-Schnee. Das Gleiche auch hier und von allen Seiten blinken knallbunte Lichterketten auf Hochfrequenzen und machen Epileptikern und mir das Leben schwer.
Das ist doch alles etwas sehr ungewohnt amerikanisch für mich und die berühmte Weihnachtsstimmung lässt auch heute noch auf sich warten.

In einem Gespräch mit drei höchst katholischen Frauen im peruanischen Chiclayo dachte ich mir nichts dabei und erwähnte, dass ich nicht an Gott glaube und dass auch viele andere in Deutschland das mit dem Glauben heutzutage nicht mehr so genau nehmen.
Da seufzten sie erschrocken auf und bekreuzigten sich synchronisch. Interessantes Bild. : ) Die folgenden Minuten versuchten sie, mich zu bekehren. Ich müsse zu Gott beten, sonst wäre meine Seele verloren und durch meinen Unglauben wäre es, als hätte ich ihnen einen Spieß in die Herzen gebohrt…
Ich glaube ich kann mich selbst guten Gewissens als eine offene und tolerante Persönlichkeit beschreiben, ich schließe auch nicht aus, dass ich vielleicht irgendwann mal Buddhistin werde oder so, aber ganz ehrlich… DAS war doch etwas beängstigend! haha
Deswegen bis ich etwas scheu, der Einladung eines neuen Bekannten nachzugehen, und Weihnachten mit ihm und seiner streng gläubigen Familie zu verbringen. Ihre Bräuche beobachtend, ihre Gebete hörend und ihren Truthahn essend würde ich mir doch sehr wie ein Eindringling vorkommen. Und das Gespräch würde unweigerlich auf meinen Glauben kommen und den Haussegen schief hängen, da ich im Lügen bekanntlich schlecht bin, abgesehen davon auch gar nicht lügen will.
Tjaaa… Wer weiß… Trotzdem weiß ich nicht wie ich mich morgen fühle und ob ich es nicht doch wagen und das Angebot annehmen werde.

Aber für heute bin ich erstmal zufrieden. : )
Keine Pläne zu machen funktioniert auch weiterhin super. Als wäre es irgendwie vorbestimmt, kommen mir Menschen und Möglichkeiten fast von alleine entgegen. Alles was ich dafür tun muss ist rauszugehen und offen zu sein.
So kommts, dass ich den ersten Weihnachtstag mit einem zuckersüßen französisch-italienischen Backpacker-Pärchen, einem ausgewanderten italienischen Pizzabäcker, einem trockenfleisch verkaufenden Mathematiklehrer und einem philosophierenden Englisch-Französisch-Lehrer verbringen werde, wobei zwei davon Geburtstag haben.

Nun denn, schart eure Liebsten um euch, sagt ihnen, wie viel sie euch bedeuten, genießt die Wärme im Wohnzimmer, schlemmt gutes Essen bis ihr platzt und genießt das Leben und das Wissen, dass ihr liebt und geliebt werdet!

Fröhliche Weihnachten! : )

¡Loja, te amo!

Untertitel: „Und zwischendurch ein wilder Mix aus Guayaquil und Strand

Loja I

Diana, Yayo und ich quartierten uns also nach einer qualvoll langen und unbequemen Busfahrt für ein Wochenende bei Dianas Familie in Loja ein. 

Die Stadt hat 170.000 Einwohner, ist so um die 2.380 m hoch im Süden Ecuadors gelegen, etwa fünf Busstunden von Cuenca und der Grenze Perus entfernt.
       
Und mei o mei, diese Landschaft! Hinreißend und herzzerreißend schön… Da hat sie doch tatsächlich Cajas überholt und ist jetzt meine momentane Nummer eins! Eine nähere Beschreibung dazu kommt weiter unten im Loja II-Teil. : )

Die Tage in der Stadt verbrachten wir immer mal wieder mit Dianas Freund Daniel und seinem nigelnagelneuen Cocktailclub „Jigger„. Ich muss schon sagen, er ist wirklich talentiert und man bekommt nie genug davon, ihm beim Cocktailmischen zuzuschauen. Aus Säften, Früchten, Kräutern, Zucker, Salz, Eis und Co. zaubert er immer wieder faszinierende, knallbunte Variationen und zum Schluss kommt das I-Tüpfelchen in Form von Alkohol. Ein Schuss hier, ein Spritzer da, kurz nochmal die Flasche hochschmeißen und wieder auffangen et voilà! Da vergesse selbst ich, dass ich eigentlich gar nicht so gerne Alkohol trinke. : ) Der Samstag Abend war also entsprechend witzig und lang.

Aber bis auf dass wir ein bisschen durch die Gegend tourten, wunderschöne Panoramas genossen, und viel Zeit im Jigger verbrachten, ist an dem Wochenende eigentlich nichts weiter passiert. Ach, und dass Meerschweinchen ziemlich lecker sind, weiß ich seit dem auch. : )

Sehr zufrieden kehrten wir Montag ganz früh im Bus nach Guayaquil zurück. Tolle Menschen, tolle Stadt, tolles Essen, tollste Landschaft: was will ich mehr! Ein wirklich gelungenes Wochenende!

Aber dass ich Loja liebe fand ich erst drei Wochen später heraus. Aber wir wollen ja chronologisch bleiben, gell?  : )

Stadt, Strand, Stadt, Strand, Stadt, Strand, Stadt, Strand, Stadt

Da Rosa bald wieder sehr in die Uni-Paukerei eingespannt sein würde und ich die wirklich wunderbar vorzügliche Gastfreundschaft ihrer Familie nicht überstrapazieren wollte, kam ich den Rest meiner Zeit bis Galápagos bei Yayo und seiner süßen greisen Oma unter.

Yayo… oder Andrés… ein wirklich toller Mensch. Immer ein warmes Lachen im Gesicht, ein gesundes Selbstbewusstsein, eine riesige Reisefreude und eine ordentliche Portion Ehrgeiz machen ihn zu einem guten Freund und einer erfrischenden Inspiration. Noch dazu bleibt er wochenends selten in der Stadt und reist auch für seinen Job viel durch das Land. Und das bedeutete dann für mich, dass ich mich in der Zeit ganz praktisch hinten dranhängen und unkompliziert erleben konnte. haha

Die ersten Tage zurück in Guayaquil war ich eigentlich nur froh, endlich mal so ganz meine Ruhe zu haben. Naja, bis auf den Stadtlärm halt, aber daran gewöhnt man sich…
Yayo tagsüber auf der Arbeit und Oma auch immer irgendwie irgendwo. Nach wochenlangem Hin und Her und Sehen und Machen und Erleben legte ich mein Hirn also mal ein paar Tage schlafen. Oh ja… Langes Auszuschlafen, bis ich mit Kopfschmerzen aufwachte, um mich dann stundenlang äußerst nutzlosen Spielen wie Angry Birds Epic und Temple Run 2 zu widmen. Ein Schlaraffenland für mein Haustier namens Schweinehund. : ) Der braucht ja auch mal ein bisschen Aufmerksamkeit…
Aber nach ein paar Tagen war Schluss und der inspirierend ehrgeizige Yayo inspirierte mich, wieder ehrgeizig zu sein und der nächste Post entstand.

Außerdem beglich ich meine Wettschulden von der Cacería del Zorro in Ibarra und zauberte ein Menü, so wie ich es gerne in Deutschland koche. Bunter Salat mit Soja Sauce, ein endlich mal vegetarischer Hauptgang und mein veganer Apfelkuchen. : ) Mmmh… Dazu hier ein kleines Video (Link).

Und dann war auch schon keine Zeit mehr für sowas, denn am Wochenende ging es mit zwei Freunden Yayos wieder ab an den Strand, zum Schlafen in Montañita und zum Tauchen bzw. Schnorcheln in’s nahegelegene Ayangue.

Schon erstaunlich, wie viel Geld man sparen kann, wenn man die richtigen Freunde hat! haha
Yayos Freund, der wie so viele Ecuadorianer auch Andrés heißt, hat zufällig einen guten Freund. Und der ist zufällig Hotelbesitzer. Zufällig in Montañita. Praktisch! So zahlt man mal eben nur 20 Dollar für eine Nacht in einem Hotel, das man sich sonst nie leisten könnte. Mit Pool UND warmer Dusche! Und das ganz ohne Reinschleichen. : )

Samstag erfüllte sich dann eeendlich mein Verlangen nach Schnorcheln! Tauchen kann ich ja (noch) nicht…
Einer der besten Freunde Yayos heißt Douglas. Und der ist zufällig Tauchlehrer und -Guide. Auch praktisch! Und da Yayos Freunde auch Douglas‘ Freunde sind, bezahlte ich zufällig nichts statt 25 Dollar für die Ausrüstung und die Bootsfahrt an eine winzige Felseninsel. Und so aalte ich mich auf dem Deck in der Sonne, bewunderte die Vogelschwärme und das klare Wasser, wir sprangen von der Reling, ich schnorchelte, die anderen tauchten und ich genoss den Tag mit jedem Atemzug.
Aber dass ich Schnorcheln liebe, wusste ich ja auch schon von Kroatien und Frankreich. Wasser, Wellen, Sonne, Fische… Entsprechend glückselig und braun machte mich dieser Tag. 

Abends durfte ich dann das berühmtberüchtigte Nachtleben in Montañita kosten. Montañita, wo die halbe Welt zusammenkommt, sowohl Einheimische, als auch eine Menge Touris in meinem Alter. Alles ist wie ein einziger großer Balztanz, ein Pool aus Töpfen und Deckeln, die nur für eine Nacht lang zusammenpassen. Die Männer jagen, die Frauen fühlen sich geschmeichelt und gehen drauf ein oder eben nicht. Was in Montañita geschieht, bleibt in Montañita. Der perfekte Ort, um fremdzugehen und mal ordentlich die Sau rauszulassen. Tagsüber am Strand in der Sonne braten und sich nachts die Birne volllaufen lassen. Und ich erzählte ja bereits, wie das mit dem Aufgabeln der Mädchen mithilfe von Surfstunden klappt. Und von dem Ergebnis in Form von Babys.
Naja, aber ansonsten ist es nicht allzu speziell. Schon nett, der Strand in unmittelbarer Nähe, frische Cocktails, alles irgendwie lateinamerikanisch lässig, lockerer Reggae und Salsa, alle tanzen… Aber das Nachtleben wird nie meins sein. Alkohol, betrunken sein, Betrunkene, viele Menschen, kein Platz… Nee nee, nur once in a while ganz spaßig. 

Naja… Jedenfalls war dann irgendwann morgens. Yayo und ich streiften durch den Ort während die anderen noch schliefen und frühstückten lecker. Und ähh… So wie ich nunmal manchmal bin hüpfte ich die ganze Zeit hin und her, war zufrieden und gut gelaunt, genoss meine tolle Reise, mein tolles Wochenende, mein tolles Wetter. Ich sprang von allen Treppenstufen wie ein Kind, durchkämmte die Läden nach Strandkleidern und ließ mein Handy unbekümmert in der Jackentasche baumeln. Und irgendwann war es dann halt weg. Keine Ahnung… Wenn es rausgefallen wäre, hätte ich es gemerkt. Und um das halb heraushängende Gerät unauffällig von hinten zu stibizen muss man echt kein Profi-Dieb sein. Naja, so ist das halt. Immer beschützte ich meinen Kram wie eine Löwenmutter und werde auf Anhieb dafür bestraft, wenn in mir mal die Familie Rabe durchkommt. ; ) Egal. Schön doof, aber: don’t worry, be happy!

In den nächsten Tagen ergab sich durch Yayos Arbeit ein stetiges Hin und Her an die Ruta del Sol und zurück. Da die von Guayaquil nur ’ne gute Autostunde entfernt ist, war das eben auch sehr gut machbar. Und ich durfte sogar Yayos alte Karre fahren, einen Mitsubishi Montero, der nur zwei Jahre nach mir geboren ist, und lernte nach und nach, wie man sich im Verkehr mit den verrückten Ecuadorianern verhält.
Road Trips… Stundenlanges Autofahren, laute Musik, das Fenster offen und Wind um die Nase, auf dem Weg zu einem schönen Ort… Super, genau mein Ding! : )
Immer musste Yayo da nur für ein paar Stunden Meeting hin und den Rest des Tages gammelten wir am Strand, bis wir uns irgendwann wieder auf den Rückweg machten.

In einer Woche viermal an den Strand und zurück, sowas kann man nicht überall. Ecuador ist einfach so praktisch klein! Innerhalb kürzester Zeit wechselt man zwischen dem tiefsten Urwald in Amazonias, dem wolkenhohen Land der Anden (Sierra), dem Flachland zwischen Bergen und Küste und eben der Küste. Hier hat man einfach alles in Reichweite. Geil!

Zwischendurch in Guayaquil besuchten wir immer mal wieder Yayos unzählige Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins, waren dreimal im Kino mit Diana und Juan Jóse, haben verschiedenste Restaurants ausprobiert, von Chickenwings bis zum besten Chinesen meines Lebens, Sushi, fettiger Pizza und Tacos, waren im Fußballstadion, als Zombies auf der Halloween-Abschiedsparty von Angrid und und und… Immer ist irgendwie irgendwo irgendwas los und so vergeht die Zeit wie im Flug. : )

Loja II

Und dann kam mein letztes Wochenende vor Galápagos. Irgendwie kamen wir auf die Idee, zusammen mit Diana wieder für ein langes Wochenende nach Loja zu fahren und für eins/zwei Tage einen Abstecher nach Peru zu machen. Dort würden wir dann etwas von der Gegend aufschnappen, dadurch mein Visa für Weihnachten verlängern und mir ein neues Handy kaufen.

Ecuador schlägt nämlich auf sämtliche Importware ordentlich was drauf und besonders gerne auf Elektronik. Für mein Handy, das ich für 70€ in Deutschland erstand, müsste ich hier mindestens das Doppelte hinblättern. Für meine 2,50€-Creme von Nivea ganze 8$ (6,40€). Ouch!
Dafür sind Nahrungsmittel, insbesondere regionale, und Dienstleistungen umso günstiger. Ein Mittagessen mit Suppe, Hauptgang und frischem Saft oder ein Hausbesuch mit Haarschnitt für 3€, eine Taxifahrt durch halb Puerto Ayora (Galápagos) für 0,80€, eine 4-Liter Wasserflasche für 1,20€.
Folglich ist man für elektronische Anschaffungen in den umliegenden Ländern besser aufgehoben.

Dumm nur, dass mir erst reichlich zu spät auf dem Weg zum Bus einfiel, dass ich ja meinen Reisepass gebrauchen könnte. Uuups! haha
Der lag noch gemütlich in meinem Rucksack in Guayaquil. Also doch kein Peru… Ein bisschen peinlich, aber auch hier: don’t worry, be happy! ♡

Was stattdessen kam hat mich nämlich mehr als zufriedengestellt. : )

Yayo und ich ließen uns von Diana und Daniel in Lojas Nationalpark Podocarpus absetzen. Er erklärte mir „We will walk a looot! Five hours of walking, so be prepared“, also zog ich mir meine Laufschuhe an und fühlte mich damit genug für einen langen Spaziergang vorbereitet. 

Nur dass es keiner werden sollte. Denn irgendwie dachte Yayo nicht an die hunderte Höhenmeter, die wir zurücklegen würden.
Und so wurde aus dem erwarteten gemütlichen Spaziergang durch einen Nationalpark eine aufregende Hiking-Tour, die gefühlter Maßen mehr aus Höhe als aus Länge bestand.

Immer weiter arbeiteten wir uns auf kleinen befestigten Wegen durch die dichte Flora nach oben, mal auf Treppenstufen, die mir fast bis an die Knie reichten, mal auf Felsen und Wurzeln.

Überall Gräser, Büsche, Büschel, Bäume und Wälder in verschiedensten Abstufungen von grün. Felsen, Brocken und Steine, mal gemasert, mal Schiefer, mal marmorartig weiß, mal glitzernd, glatt und rau. Riesige Bäume mit riesigen oder winzigen Blättern, knallig gelbe oder rote oder blaue Blüten und fremdartige Früchte tragend und mit knorrigen, vertwisteten Wurzeln, die sehr an Hexenfinger und -nasen erinnern.

Die Höhe ließ uns schnaufen wie Nashörner und bald waren meine Schuhe und Füße durchtränkt mit Schlamm. Aber das war egal, denn oben angekommen entschädigte die Aussicht für jede Anstrengung.

Die saftig grünen Bergketten, die zum Horizont hin immer weiter im Wolkennebel verschwinden… Erst wirken sie petrol-, türkisfarben und fast schwarz, nach hinten hin dann blau, dann himmelblau und hellblau.
Die gestochen scharfen Konturen der Felsspitzen und die weichen Farbnuancen des Himmels und der Wolken ergänzen sich für mich zu zu einem gleichermaßen kraftvollen und beruhigenden Panorama.
Dieser Blick ist einerseits so verzubert schön, dass er gar nicht real sein kann, andererseits spürte ich an dem Tag das Leben und die Realität mehr denn je.

Puh… Gar nicht so einfach, etwas unbeschreiblich Schönes zu beschreiben!
Egal wie angestrengt ich versuche, das in Worte zu fassen oder wie gut getroffen die Fotos sind… das warme, glücklich schreiende Gefühl, das sich in solchen Momenten in mir ausbreitet, wird immer nur erfolglos beschrieben bleiben. Das muss man einfach selbst erleben. Ist so. Bleibt so.
Trotzdem versuche ich es immer weiter! : )

Schmerzlicher Weise hatte meine Kamera ausgerechnet an dem Tag eine Art Wackelkontakt, sodass ich sie Zuhause lassen und mich mit Yayos Ei-Phone begnügen musste. So eine Scheiße! Das ärgert mich immernoch, mit einem Telefon ist es hoffnungslos, wirklich gute Bilder zu schießen… Die ganze Zeit versuchte ich es mit „don’t worry, be happy“, aber Fakt ist, dass mir Fotos einfach zu viel bedeuten. Ich hätte sogar fast losgeheult, weil ich so sehr Angst hatte, dass sie jetzt ganz kaputt ist. Glücklicher Weise hat das Teil anscheinend nur ein widerspenstiges Eigenleben, nahm sich einen Tag Urlaub und tat am nächsten Tag so, als wäre nichts gewesen…

Das war dann also der Aussichtspunkt, umkreist von Geländern und mit einem witzig überflüssigen Pfeil dran, der zeigt, in welche Richtung sich die allgegenwärtige Aussicht befindet.

Aber Yayo und ich wussten, dass der Nationalpark eine geschlossene Route hat, die irgendwo von dort aus weitergehen würde. Also setzten wir unseren Weg auf dem Bergkamm fort, während zwei andere den Weg zurück antraten. Ab da hatte der Pfad keine Geländer oder Stufen mehr und bald wunderten wir uns, ob dieser Weg tatsächlich der richtige sei. So ganz ohne Schilder, immer steiniger, verwurzelter, schlammiger und irgendwann gerade mal so breit wie einer meiner Oberschenkel, rechts und links immer der steile Abhang. Aber die Fußspuren vor uns zeigten, dass dort auch andere vor uns gewesen waren, außerdem hatten wir keine andere Möglichkeit einer geschlossenen Route gesehen, also gingen wir weiter.

Und mit jeder neuen Aussicht verschoben sich die Berge, Abhänge und Wolken, jedes Mal anders und atemberaubend. Die Sonne reichte in klar sichtbaren Strahlen durch die Wolken bis auf den Boden und der Wind scheuchte sie immer weiter, sodass das goldene Licht ein Tal nach dem anderen in kräftigen Farben erstrahlen ließ.

Immer wieder erklommen wir eine weitere Spitze, um dahinter, weiter in den Wolken, eine höhere zu entdecken. Jedes Mal erwarteten wir die Abbiegung den Hang hinunter, mit der wir dann unseren Rückweg antreten würden, aber der Pfad nahm auch nach Stunden kein Ende.
Inzwischen kletterten wir meistens, machten alle paar Minuten eine Verschnaufpause und langsam ging das Trinkwasser und die Kekse zu Neige, sodass mein Magen sich vor Hunger selbst fraß.

Irgendwann dann… Hoch in den Wolken, als wir malwieder eine Bergspitze erreichten und dahinter eine weitere höhere entdeckten, beschlossen wir umzudrehen. Der Pfad war inzwischen so schmal und steil, dass man fast einen Pickel hätte gebrauchen können, und wir fürchteten, dass es dunkel werden und wir dann dort festsitzen würden.

Also aaalles wieder zurück. Dieses Mal ging es schneller, die Schwerkraft war ja jetzt auf unserer Seite. Ich erkannte die Pflanzen und Felsen vom Hinweg und runter kommt man bekanntlich immer irgendwie. Inzwischen schmerzte so ziemlich alles, Rücken, Hüfte, Knie und Sprunggelenke, da ich oft genug umknickte. Manchmal schlidderten wir mehr als dass wir gingen, aber nach bestimmt zwei Stunden kamen wir tatsächlich unten an.
Dann waren da noch acht Kilometer Straße zurückzulegen, die wir teils gehend, teils vor Ungeduld joggend, teils als Tramper auf der Ladefläche eines Pickups zurücklegten.

Wow, und dann waren wir nach sechs Stunden endlich wieder Zuhause. Hundemüde und glücklich.

Später fanden wir dann heraus, dass das tatsächlich nicht der richtige Weg gewesen war. Irgendwie hatten wir die korrekte Abbiegung verpasst und auch auf dem Rückweg nicht entdeckt. Der Pfad setzt sich über die gesamten Bergkämme fort, immer weiter, bis nach Peru und noch länger. Vor einiger Zeit hatte sich dort eine junge Französin verirrt, ging wie wir immer weiter, in der Hoffnung, irgendwann irgendwo anzukommen. Drei Tage später wurde sie dann im Amazonas Gebiet gefunden. Lebend zum Glück.
Mit ein bisschen mehr Sturheit hätte das auch uns passieren können…

Aber egal, ist es nicht. Deswegen ist und bleibt es für mich ein großes, geniales, wunderschönes Abenteuer, fest eingeschlossen in meinem Kästchen mit den schönsten Erinnerungen meines Lebens. : )

Zeit? Kann man das essen?

Upsi! : ) Seit Ibarra sind vier Wochen vergangen… Die Zeit vergeht so schnell und ich bekomme es irgendwie nicht so richtig mit, bin ja auch gut abgelenkt.
Guayaquil, Cuenca, Guayaquil, Ruta del Sol, Guayaquil, Ibarra, Loja, Guayaquil, Ruta del Sol, Guayaquil, Ruta del Sol, Guayaquil, Ruta del Sol, Guayaquil, Ruta del Sol, Guayaquil, Loja, Guayaquil, Galápagos! 

Mein Gefühl für Tage und Wochen ist demnach schon längst flöten gegangen. haha
Oh man, und so kommts auch, dass ich von Loja bis nochmal Loja mit meinen Einträgen ganz schön hinterherhänge… Immernoch und mal wieder. : )  Aber um ehrlich zu sein genieße ich es sehr, nicht wissen zu müssen, welchen Wochentag wir haben. Keine festen Pläne, keine Termine und vor allem: kein Stress! Bisher hat sich einfach alles von alleine ergeben. Einladung hier, Gelegenheit da, Einladung dort, so hangel‘ ich mich bisher erfolgreich und entspannt von Ort zu Ort, von Familie zu Familie. : )

Die verrückten Ecuadorianer schmücken schon seit Wochen für Weihnachten. Grausam! haha
Aber das hat mich jedenfalls zum Nachdenken gebracht. Möchte ich nach Galápagos direkt weiterreisen, das nächste Land entdecken und riskieren über Weihnachten und Neujahr alleine zu sein? Also… Ich brauche ja keinen Weihnachtsbaum und keinen Lebkuchen, keine Kirche und keine Geschenke zu Jesus‘ Geburt und keine Böller, Alkohol und Schwefelgestank an Silvester. Aber 25 Jahre meines Lebens habe ich diese Tage immer mit meinen Liebsten und Freunden verbracht und alleine würde ich mich wohl schon komisch fühlen. Also ist die Antwort „Nein, ich glaub ich bleib in Ecuador.“

Hier habe ich inzwischen Freunde und Familien gefunden, die mich in ihrem Heim willkommen heißen und mit denen ich mich wohl fühle.
Und außerdem fehlt mir immernoch die Riobamba-Baños-Puyo-Amazonas-Gegend, auf die ich sehr gespannt bin.

Nächster vorläufiger Plan ist also folgender:
1. Ein Monat Galápagos, am Stand knackig braun werden, Schnorcheln, Wandern, viele Leute kennenlernen und Kontakte knüpfen
2. Anfang Dezember nach Guayaquil zurückkehren
3. Mit Diana und Yayo ein langes Wochenende nach Peru reisen, somit mein Visa verlängern, dort ein neues Handy kaufen, weil Ecuador arsc*teuer ist
4. Die Riobamba-Baños-Puyo-Amazonas-Gegend entdecken, vielleicht meine Rechnung mit Cajas begleichen
5. Weihnachten und Neujahr mit meinen neuen Freunden verbringen
6. Irgendwohin weiterziehen. Peru oder Kolumbien oder Bolivien oder so…

So weit so gut. Mal gucken , was daraus wird. Inzwischen zeichnet sich ja ab, dass kein Plan wirklich lange bestehen bleibt. : )

Als nächstes folgt ein Eintrag darüber, wie ich viermal in einer Woche ans Meer fuhr, mit bunten Fischen schwamm und wie Yayo und ich uns auf den Bergkämmen Lojas fast bis nach Amazonien verirrt hätten. Und mehr…

Bis dahin begrüße ich aber erstmal Galápagos. : )

Ibarra

Und weiter geht’s. : )

Auf dem Cajas-Cuenca-Trip hat Yayo bzw. Andrés (zur Erinnerung: enger Freund von Rosita) sie und mich eingeladen, mit ihm und zweien seiner Freunde nach Ibarra zu fahren. Das Wochenende nach Cuenca würde dort das große, jährliche Pferdefest „Cacería del Zorro“ stattfinden und er wollte die Gelegenheit nutzen, um der Familie nach Jahren mal wieder einen Besuch abzustatten. Außerdem sei Ibarra wunderschön, mitten in einem Tal gelegen, umringt von Bergen, 2.200 Meter über dem Meeresspiegel…

Also schoss ich meinen Plan, an der Ruta del Sol nordwärts zu reisen und dann durch Quito, am Vulkan Cotopaxi vorbei, durch Riobamba, Baños und Puyo wieder nach Guayaquil zurückzukehren, um im November meinen schon gebuchten Flug nach Galápagos zu nehmen, kurzerhand in den Wind und sagte ja.
Hoch lebe die Spontanität! Ungebunden zu sein, keine festen Pläne zu machen… Wow, das fühlt sich super an. : )

Nach der Ruta del Sol gab es kurz noch einen Tag Verschnaufspause, bevor wir dann die 10-stündige Autofahrt über Nacht antraten. Allerdings nur zu viert – Rosita lag inzwischen mit einer Erkältung flach. Und ich widersetzte mich einfach meinen immernoch anhaltenden Bauchschmerzen bzw. hielt sie mit Zwieback und viel Wasser im Zaum. Die Gelegenheit, mit einer netten Gruppe ganz in den Norden Ecuadors zu reisen, wollte ich mir eben nicht entgehen lassen.
Zu viert, das waren dann Yayo, Juan Jóse, Diana und ich. Juan hatte ich schon vorher auf einem kleinen Auftritt von „Sunshine and the Makenzi Sound“ kennengelernt, eine Band aus Rositas und Yayos engem Freundeskreis, die sogar recht bekannt ist in Guayaquil. Und Diana ist super nett und irgendwie auch super nett durchgeknallt und immer wenn ich sie anschaue, mag ich gar nicht mehr damit aufhören, weil ich sie so schön finde. : )

Ich änderte meine Route also um: von Ibarra aus würde ich nach Quito reisen, dort etwas Zeit verbringen, dann einen Schlenker ans Meer machen, um dann wieder in die bergige Sierra zu kommen, dann weiter wie ursprünglich gedacht: Cotopaxi, Riobamba, Baños, Puyo, Guayaquil, Galápagos. Vielleicht… Irgendwie so…

Wir erreichten die Stadt jedenfalls Samstag früh um zwei oder drei Uhr morgens und wurden freundlich und im Schlafanzug von Yayos Tante Janneth und Mann Arturo empfangen. Kurz noch mit Reis und Hähnchen versorgt (das ich natürlich nicht essen konnte), konnten wir dann endlich wie tot in die Betten fallen.

Morgens beim Frühstück bekam ich das ganze Ausmaß des Familienbesuchs zu fassen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass zu den normal dort wohnhaften Tante, Onkel und Cousine aufgrund eines großen Familienwochenendes auch noch Oma und Opa, Tante, Cousine, Cousine, Cousine, Cousine, Baby-Neffe und dazugehöriger Vater kamen. Das Haus war mit 16 Personen also gut besetzt und mit ihren eineinhalb Monaten und drei, sieben und zehn Jahren hielten die Jüngsten alle anderen ordentlich auf Trab. Und dazu noch etwa acht Hunde, sieben Welpen, ein Pferd plus Fohlen, Kaninchen und ein Huhn. Wenn ich mich nicht verzählt habe… Halligalli in Ibarra. : )

Die Unternehmung des Samstags war die traditionelle „Cacería del Zorro“, die Fuchsjagd. Einmal im Jahr kommt jeder Pferdebesitzer aus der Umgebung nach Ibarra, um in diesem großen Wettkampf sein Bestes zu geben. Oder um sich schon vorher zu betrinken und dann mittendrin vom Pferd zu fallen. Für ersteres hatte auch Yayos 19-jährige Cousine Chellsy ihre Stute trainiert. Aber trinken würde sie erst danach.
Wir machten uns also gemeinsam mit sämtlichen Cousinen, Tanten, Onkeln etc. auf den Weg, Chellsy und all die anderen Reiter bei ihrem Abenteuer zu beobachten.
Bei der Cacería geht es darum, in Teams die Gewinner des Vorjahres zu fangen, die „Zorros“, und ihnen die Fuchsschwänze zu entwenden, die sie zur Markierung bei sich tragen. Das Team, das diese entwendet, ist Gewinner und neuer Gejagter im nächsten Jahr. Alles natürlich zu Pferd. Aber das alleine wäre ja langweilig. Also ist die Jagtroute festgelegt und mit zehn respekteinflößenden Hindernissen und Rennstrecken gespickt, die die eigentlichen Tourismusmagneten sind.
Es wird also beklatscht und bejubelt, wie ein Reiter nach dem anderen sein Pferd verschiedenste künstliche Klippen hinuntertreibt oder -zwingt, es entweder schafft oder aber stürzt, dabei nicht selten das Pferd mitreißt, während von oben schon das nächste auf die Gestürzten zuspringt.
Noch bevor das Spektakel begann war ich der festen Überzeugung, dass sich dabei mindestens ein Pferd einen bösen Bruch zuziehen würde. Und dass es unverantwortlich sei, die Tiere zu solchen Stunts zu zwingen, wo sie doch sowas in der Natur niemals freiwillig tun würden. Und dabei auch noch betrunken zu sein!
Nur war mir vorher nicht bewusst, dass die Leute mitunter viel für diesen Anlass trainieren und ich unterschätzte mal wieder die Eleganz, Kraft, Robustheit und Geschicklichkeit dieser wunderbaren Tiere.
Also blieb es meines Wissens erfreulicher Weise bei verletzten Reitern, unerfreulicher Weise verlor ich damit eine Wette. haha
Hier ein Video zur Cacería. Zwar in Spanisch, dafür aber viel Action mit stürzenden Pferden und schönen Landschaftsbildern und der Stadt.

Später streunten wir zu viert durch die Gegend, wobei Diana, Juan und Yayo mit einem Bier nach dem anderen immer fröhlicher wurden und ich dagegen meinem Magen keinen Alkohol zutraute. Wir versuchten uns als Pferde an den Hindernissen und scheiterten, kamen komplett eingestaubt und teilweise aufgeschürft unten an und konnten die kleine Sporteinheit zwei Tage danach noch als Muskelkater fühlen. haha
Aber wir hatten ne Menge Spaß und ich fühlte mich zurückversetzt in meine Kindheit, als ich noch auf Bäume kletterte und Elfen in den Wäldern suchte. : )

Und die liebe Diana, die an dem Abend immer wieder beteuerte, sie sei (trotz bestimmt 3 Litern Bier) nicht betrunken, lud mich für das Wochenende danach in ihre Heimat nach Loja ein. : ) Eine Stadt ganz im Süden, 500 Kilometer Luftlinie von Ibarra entfernt, sei der schönste Ort in ganz Ecuador, ich müsste unbedingt mitkommen, sonst würde ich was verpassen. Also schmiss ich meine groben Pläne erneut über den Haufen und würde nach ein paar Tagen bei Yayos Familie für schlappe 13 US Dollar den Bus nach Guayaquil nehmen, um von dort gemeinsam mit Diana und Yayo die Busreise nach Loja fortzusetzen.

Am Sonntag erkundeten wir in unserem Quartett plus Chellsy die nahegelegenen Ortschaften Otavalo und Cotacachi, die größtenteils von Indigenen bewohnt sind. Während Cotacachi bekannt ist für seine preisgünstig aber hochwertigen Lederarbeiten, von Schmuck bis zu Westernsätteln, ist es Otavalo für Kleidung und im Besonderen für Unterwäsche und Socken. Und außerdem noch für seinen großen Markt, voll mit frischen exotischen Früchten und Handarbeiten der indigenen Bevölkerung. Zwischen den schönsten Hängematten, Schals, Ponchos und Schmuckstücken, wurde auch mein Mädchenherz schließlich sehr weich, wie gern würde ich mich doch ohne Ende eindecken… Aber als „Backpacker“ kann man sich doppelte, überflüssige und schwere Dinge nunmal nicht erlauben…

Mit über 40% hat Ecuador einen sehr hohen Anteil an indigener Bevölkerung. Von den insgesamt 13 indigenen Volksgruppen sind die Quichua und Chachi in Hochland der Sierra am meisten vertreten. Sie haben andere Traditionen, andere Sprachen, sie sind so anders und dennoch vollkommen integriert in den ecuadorianischen Alltag. Es wurde für sie sogar ein zweisprachiges Bildungssystem entwickelt. Sie wirken auf mich fast wie von einem anderen Planeten. Sie tragen bunte Kleider und Ponchos, viel Schmuck, binden oder flechten ihr langes schwarzes Haar zu tiefgelegenen Zöpfen und haben erstaunlicher Weise sehr markante Gesichtszüge, sodass man oft schon daran diese Herkunft erahnen kann. Und wie schon gesagt, auf den Märkten verkaufen sie die verschiedensten Handarbeiten zu Spottpreisen, ein paar Fotos davon gibt’s im Anhang. Besonders die Schals und Hängematten haben es mir angetan… : )
Und durch die Erdölindustrie und die sich immer weiter ausbreitenden Monokulturen werden die Indigenen zunehmends aus ihrer natürlichen Heimat verdrängt…

Ibarra ist mit 130.000 Einwohnern eine vergleichsweise kleine Stadt, von dort ist man in eineinhalb Stunden gen Norden an der Grenze Kolumbiens, oder in knapp zwei südlich in Quito. Und Yayo hat nicht gelogen. Eingekreist von Bergen, die nach ein paar hundert Metern schon in den Wolken verschwinden und mit bunten kleinen Häusern, die sich an mal mehr mal weniger steile Hügel klammern ist Ibarra wirklich ein besonderer Ort.
Ich hab mich gefühlt wie auf einer fliegenden Plattform, mitten in den Wolken. Wie in den Märchen und Büchern über Völker, die versteckt vor dem Rest der Menschheit irgendwo da oben schweben. : ) Und wenn man nur einen falschen Schritt macht, fällt man in den Himmel.

Im Tal Ibarras liegt ein großer schöner See, der Yahuarcocha (Quechua für „Blutsee“). Man sagt, der See hat seinen Namen daher, dass sich in der Vergangenheit dort zwei indigene Völker bekämpften. Die Sieger warfen die Leichen des Krieges in den See, was diesen blutrot färbte.
 
Nachdem sich die Großfamilie Sonntag Nachmittag verabschiedete, machten sich zwecks Arbeit leider auch Diana, Juan und Yayo wieder auf den Heimweg. Und ich wurde wärmstens von Yayos Familie aufgenommen, durfte dort schlafen, essen, sein und meine nächsten Reisepläne schmieden. Es blieben nur noch Tante Janneth, Mann Arturo und deren Töchter Chellsy und Karla (26), zweitere frischgebackene Mama des kleinen Isaac Samuel. Und es kehrte Ruhe ein.

Und erst da, im Bett liegend, die Stille genießend und meine bisherige Reise Revue passieren lassend, wurde mir bewusst, wie laut es in der Großstadt Guayaquil immer war. Fast kontinuierlich hört man Hunde kläffen, Polizei- und Krankenwagen heulen, ständig kommen Autos mit Mikrofonen oder Musik durch die Straßen und wollen etwas verkaufen und Nachts, wenn man mal ein paar Minuten Glück hat und alle Hunde die Klappe halten, hört man immernoch die Klimaanlage schuften. Wie gut dass es Ohropax gibt…

Jedenfalls genoss ich mal wieder „Mi casa es tu casa“ vom Feinsten. Ich unterhielt mich die Tage dort stundenlang mit Karla, wir schauten Disneyfilme und tranken dazu heißen Kakao, beobachteten grinsend die witzigen Grimassen ihres Babys und mit Chellsy machte ich einen kleinen Ausflug an den „Cascada de Peguche“, einen hübschen Wasserfall in der Nähe.
Außerdem genoss ich sehr das Essen, ohne Ausnahme wird auch dort alles selbstgemacht. Am besten sind die immer frischen Fruchtschorlen, -säfte und -shakes aus frischen Mangos, Erdbeeren, Zitronen und Co. Das werde ich mir auf jeden Fall für Deutschland angewöhnen. : )

So nett Yayos Familie auch ist, die Moskitos dort sind umso schlimmer. Da sie eher so aussehen wie Obstfliegen, winzig und halt sehr fliegenmäßig, bin ich natürlich nicht auf die Idee gekommen, dass sie stechen könnten. Aber Kleinvieh macht auch in diesem Falle extrem viel Mist. In Ibarra hatte ich meine Unterschenkel und Füße von mindestens 27 Stichen übersät, die mir Schuhe, Socken und lange Hosen zu scheuernden Feinden machten. Diese Dinger sind auch so schon fies genug, aber netter Weise bin ich offensichtlich mit einer prächtigen Allergie ausgestattet. Also was mit kleinen Stichlein begann wurde zu einer Berglandschaft aus teils dunkelroten, angeschwollenen, heißen Stichen. Am liebsten hätte ich mir die Beine abgehackt.
Selbst Yayo, der gerne seine Philosophie der endlosen Liebe und im Umkehrschluss das vollkommene Nichthassen verbreitet, sagt, es sei in Ordnung, Moskitos zu hassen. haha
Naja, aber keine Sorge. Malaria und Co. sind in den Bergen nicht anzutreffen.

Ach, und witziger Weise sind die Leute hier absolut unfähig, meinen Namen auszusprechen. Selbst nach stundenlangem Sprachunterricht nicht. Aus Merle  wurde also unter anderem Merrrrle, Meal, Mörl, Merli, Merlinda oder meistens Merlina. Jedes Mal klingt mein Name hier anders, inzwischen springe ich auf alles an. haha

Und nach insgesamt fünf Tagen war es auch schon wieder Zeit abzureisen.
Von 6 Uhr morgens bis 17 Uhr, quer durchs Land. Durch Quito, 3.500 Meter hoch und höher, über Berg und Tal im Wechsel. Die Klimaanlage und Lautstärke des Films für die Passagiere auf voller Pulle, sodass ich mir fast den Arsch abfror und mir die, wegen wegen des schwankenden Luftdrucks eh schon knackenden, Ohren mit Musik volldröhnte.
Leider bekam ich nur wenig von der Landschaft zu Gesicht, da es morgens noch dunkel war, ich dann ein paar Stunden schlafen konnte und später waren wir schon aus dem schönen Hochland raus. Aber im Dunkeln konnte ich wieder meine geliebten Umrisse der Berge und die bauschigen Wolken erahnen.
Also um 17 Uhr in Guayaquil angekommen, von Yayo abgeholt, so schnell wie möglich durch den Feierabendsverkehr durch die Stadt, Diana abholen, einkaufen, kochen, Sandwiches schmieren und ab zum Bus. Auf dem Boden des Terminals fix Nudeln mit Brokkoli (der hier übrigens auch wächst) und dann bis 6 Uhr morgens nach Loja.
24 Stunden Busreise… Was mich nicht umbringt macht mich härter, nä? haha
 

Und was ich fühle…

Ich bin jetzt einen Monat hier und habe bereits so viel mehr erlebt, als im ganzen letzten Jahr in Hamburg. Während ich in Deutschland unbeweglich und fest in meinen Alltag eingeklemmt war, habe ich hier inzwischen so viele neue Erinnerungen, Erfahrungen und diverse andere Eindrücke gesammelt und dazugelernt.

Die Menschen hier empfangen mich mit offenen Armen und leben eine ganz andere Art von Freundlichkeit und Güte. Bist du ein Freund eines Familienmitglieds oder eines Freundes, schenken sie dir ihr Vertrauen und ihr Lachen, teilen gerne was sie haben, sowohl Essen als auch Haus. Ganz ohne Gegenleistung. Selbst ich, als fast hoffnungslos eingeschleifter Geizhals mit einer großen Portion Futterneid, lerne zu geben und dabei zu gewinnen. Ich lerne Vertrauen und Dankbarkeit auf ecuadorianische Art.

Und auch wenn immer irgendwo der Gedanke der Ungewissheit oder die Angst vor einem Überfall bleiben, ist dieses Gefühl von Freiheit und Glück einfach so überwältigend und erfüllend. Nur ein Monat ist vergangen und schon weiß ich, dass es das das Richtige ist was ich hier tue. Ganz egal wieviel Geld mich diese Reise am Ende kostet, so ist sie doch unbezahlbar und jeden Cent wert.

Vom Strand bis in die Berge

Und schon wieder ist so viel passiert…

Und ja, dieser Eintrag hat lange auf sich warten lassen. In drei Tagen bin ich schon einen Monat lang hier. Und dass wir aus Cuenca zurückgekehrt sind ist auch schon gut zwei Wochen her. Aber ich war so unfassbar viel unterwegs, ich hab so viel gesehen…

Ich war auf der Ruta del Sol unterwegs, also an den Küsten Ecuadors, musste mich den höheren Gewalten in Form einer unangenehmen Krankheit beugen, war fast eine Woche ganz im Norden des Landes im traumhaft schönen Ibarra, wurde fast von Moskitos aufgefressen, habe 1.000 Pferde stürzen sehen, stand unter einem Wasserfall, habe 28 Stunden Busfahrt und mindestens 20 Stunden Autofahrt hinter mir, war ein Wochenende ganz im Süden Ecuadors in Loja, wieder frei über den Wolken, und nun wieder zurück in Guayaquil.

Puuuh… Und jetzt ist erstmal Entspannen und Blogschreiben angesagt. : )
Ich versuche in Zukunft die Einträge kürzer und dafür öfter zu machen… Mal gucken ob das klappt…

Meine Reise ging also komplett kreuz und quer, absolut querbeet von A nach B über M und X. Westen, Norden, Süden… um meine wirren, spontan un- und umgeplanten Wege endlich mal anschaulicher zu machen,  werden die Überschriften dieses Mal zu total praktischen und bestimmt funktionierenden Google Maps-Links.

Es folgen die Details über die Ruta del Sol, Ibarra und Loja in separaten Einträgen. Ui, das wird viel… : )

Ruta del Sol

Ich hatte ja bereits angekündigt, dass Rosita und ich vielleicht ans Meer in das Strandhaus ihrer Familie fahren. Daraus wurde letztendlich ein 2-tägiger Road Trip, gemeinsam mit dem Ehepaar Andy und Ingrid bzw. Angrid. Die übrigens in einem Monat nach Kalifornien auswandern und deswegen gerade viel Zeit haben.

Eineinhalb Stunden später als geplant (diesbezügliche Vorurteile gegenüber Lateinamerikanern kann ich nur bestätigen), ging es morgens um 9:30 los – von Guayaquil nach Manta. Jaa ok, ich hab natürlich auch meinen Teil zur Verspätung beigetragen. Diesbezügliche Vorurteile gegenüber Merle kann ich also auch bestätigen. haha

Die  Route der Sonne ist eine mehr als 1.000 km lange Straße, fast komplett entlang der ecuadorianischen Küste. Von der Nord- bis an die Südgrenze kann  man von ihr aus meistens direkt auf das Meer schauen. Und man sieht einen endlos langen Strand aus feinem hellen Sand, kleine bis noch kleinere Dörfer mit alten, heruntergekommenen oder nur halb fertiggestellten Häusern, die aber dennoch bewohnt sind. Hier und da wird mehr oder weniger frischer Fisch verkauft und die Möwen geiern auf die Reste. In Manta hab ich am Strand Pelikane fliegen gesehen. : )

Was mich am meisten überrascht hat, war der total durchgeknallte Wechsel der Landschaften. In einem Moment befindest du dich noch auf der Straße direkt am Strand und siehst nur Sand und Wasser auf der einen, trockenes Gestrüpp auf der anderen Seite und weiter weg vielleicht eine kleine Stadt. Aber kaum führt die Ruta mal ein paar Kilometer ins Landesinnere, bist du entweder inmitten von saftig grünem Urwald oder doch in einer knochentrockenen Hügellandschaft, die mehr an eine afrikanische Steppe erinnert. In 30 Minuten Autofahrt hatte ich das Gefühl, gleich in drei ganz verschiedene Klimazonen gereist zu sein. Wirklich erstaunlich. : )

Die Nacht in Olón war die erste auf meiner Reise in einem Hostel, es werden wohl noch viele folgen. Und jetzt schon habe ich mich dort soo unwohl gefühlt. In einem Bett zu liegen, in dem schon etliche vor mir gelegen (und sonst was gemacht) haben, Flecken auf den Decken, ein Bad zu benutzen, das stark nach Chlor riecht aber trotzdem dreckig ist. Allein der Gedanke, bald so eine Dusche benutzen zu müssen, in der die Fugen orange-schwarz sind und in den Ecken alte Haare kleben, lässt mir die Nackenhaare zu Berge stehen. Und ich weiß genau, dass das Hostel ein vergleichsweise gutes und teures war und ich mich noch mit vermutlich wesentlich schlimmeren Zuständen arrangieren muss.
Wenn ich in Rositas und Yayos Haus schon je eine Monster-Kakerlake finde, wie wird das denn erst in Peru oder sonst wo, wenn ich mir das günstigste Hostel suche, das ich finden kann… Oh-oh…
Naja, aber ich muss auch noch erwähnen, dass das Hostel eine Minute Fußweg vom Meer entfernt ist, also sind wir wenigstens bei Wellenrauschen eingeschlafen. : ) Und Moskitos.

Nun denn, die Nacht habe ich trotzdem überstanden und wurde mit einem Frühstück am Strand belohnt. Wirklich sehr schön. Sonne, Sand, Palmen, Sand, Meer, Sand, Strandhäuschen, Sand, 30 Grad… Zum Frühstück also Reis und Fisch und mein heiß geliebter Koriander, dazu ein geil frischer Piña Colada ohne Alkohol. Achtung, Ironie. Ich hasse Koriander. Und die Ecuadorianer lieben es! Hilfe… Daran muss ich mich unbedingt noch gewöhnen…
Ebenso überhaupt noch an das Essen hier. Mein Motto dazu lautet „Ich probiere ALLES!“. So kommt es, dass ich inzwischen einen ganzen Krebs inklusive Gehirn, gekochte Hühnerfüße, Pansen, Meerschweinchen und gebratene Schweinehaut mitsamt Haaren gegessen habe. Bzw. probiert. Krebshirn, Pansen und haarige Schweinehaut halte ich für ungenießbar, Meerschweinchen schmeckt wirklich ganz genau wie Hähnchen und der Rest ist ok.
All die exotischen Zutaten und Früchte, das viele Fett und Fleisch und das schlechte Wasser (Bakterien plus Chlor) hier machen mir jedenfalls zu schaffen. Ich hab gehofft, dass ich darum herum komme. Tue ich aber natürlich nicht. Also musste ich den Trip am Meer mit Bauchschmerzen und anderen Symptomen genießen und wurde auch zurück in Guayaquil wieder davon eingeholt.
Aber mit ein bisschen pinker Medizin, viel (Flaschen-)Wasser und einer strikten Zwieback-Bananen-Diät lässt sich auch das überstehen. : )

Dort am Strand entdeckten wir dann ein gar nicht so unseltenes Phänomen rund um den Party-Ballermann-Tourismus-Ort Montañita, unweit von Olón: ein Einheimischer mit einer ganz offensichtlich nicht einheimischen Weißen und ein Baby. Eine super Vorlage für einen Scherz von Rosita, wenn ich nicht aufpasste, würde ich bald auch so enden. haha
Die Touris kommen nach Montañita, um mal ordentlich die Sau rauszulassen, sich zu besaufen und letztendlich mit einem Einheimischen im Bett zu landen. Das Feuer in den Lenden der Lateinamerikaner ist ja weltweit bekannt und wie Andy mir beteuerte, tigern die willigen jungen Männer tatsächlich dort herum, um mit ausgeklügelten Strategien ein Mädchen für die Nacht zu fangen.
Andy kennt nämlich so jemanden und der hat ihm sein Geheimnis verraten: am Tag wird das Mädchen zu einer Surf-Stunde eingeladen, selbstverständlich nur für sie kostenlos. Und da gibt es dann natürlich schon ganz unschuldig den ersten Körperkontakt. Ist ja nur eine Surf-Stunde. In der Nacht klappert er dann alle Nachtclubs und Bars ab und sucht nach ihr, um sie dann zufällig wiederzutreffen. Und sie abzufüllen und erfolgreich abzuschleppen.
Was also mit einer feuchtfröhlichen Partynacht begann, endet für die eine oder andere mit einem feuchtfröhlichen Party-Baby.
Sehr interessant! haha

Dann also weiter nach Salinas, wo nicht wenige Familien aus Guayaquil ein Strandhaus haben. So auch Ingrid und Rosita. Aber wir kamen nur zum Baden, einmal alles anschauen, lecker fettige „Pastel de carne“ essen, die gaben dann meinem Magen den Rest. Und ich hab ein paar bezaubernde Muscheln gesammelt. Meine Kette wächst. : )

Und dann kam mein bisher zweitschönster Sonnenuntergang in Ecuador. Ganz an der Spitze der Landzunge Salinas‘ befindet sich die „La Chocolatera“, also quasi „die Schokoladenfabrik“, der westlichste Punkt des ecuadorianischen Festlands. Die Strömung dort ist so stark, dass schon viele Menschen in großen Wellen und Strudeln ertrunken sind und der begehbare Pfad ist strikt festgelegt. Durch diese Studel wird der Sand vom Meeresboden aufgewühlt und das Wasser färbt sich braun. Daher der Name. Die Küste besteht aus steinigen Klippen und ist besonders bei Blaufußtölpeln beliebt. Aber da sagen wohl Fotos und ein Video (Link) mehr als 1275 Worte. Deswegen ist mit dem Eintrag „Ruta del Sol“ jetzt Schluss. : )

Ach, und nur „zweitschönster Sonnenuntergang“ weil für mich nach wie vor nichts die Schönheit der Berge und Wolken Cajas‘ schlagen kann. Außer vielleicht die Berge Lojas…

Cajas und Cuenca

Samstag und Sonntag waren wir in Cuenca. Wir, das sind Rosa, das junge Ehepaar Ingrid und Andy alias Angrid, Andrés alias Yayo und ich.
WOW! Mir sind die Augen übergegangen und das Herz explodiert.

Also… um ins 2.500 Meter hochgelegene Cuenca zu gelangen sind wir mit dem Auto durch das Naturschutzgebiet Cajas gefahren.

Wikipedia sagt:
》 Der Nationalpark Cajas ist ein 28.808 ha großer Nationalpark im Hochland von Ecuador. Er liegt zwischen 3100 m und 4450 m über dem Meeresspiegel. Die hügelige Landschaft bietet eine Tundravegetation und besitzt ungefähr 270 Seen und Lagunen. 《

Ich sage:
Wenn ich Natur solcher Schönheit sehe, verlassen mich die Worte. Ich kann noch so viel probieren und formulieren und dennoch kommt kein Wort an das heran, was ich sehe und fühle. Auf die Wolkendecke herunterzuschauen, fast als wäre man an einer Steilküste und könnte gleich ins Meer springen, ist einfach atemberaubend. Klar, das liegt wohl auch an den 3.500 Metern (die sich auch gerne durch das Explodieren meiner Zahnpastatube bemerkbar machen), aber wohl noch mehr an meiner Ehrfurcht vor dem was ich sehe, der Vorstellung in ein Meer aus Wolken zu springen, darin zu schwimmen oder darauf Trampolin zu springen. : ) Oder kurz über der Wolkendecke, wenn die Sonne draufscheint; als würden wir auf wunderbares ewiges Nichts aus gleißend hellem Weiß zusteuern. In solchen Momenten werde ich ziemlich still, beobachte und versuche das, was ich sehe, in ein Foto einzufangen. Ab und zu gibt’s ein „Wooooow…“ oder „This is incredible…“ und ein zufriedenes Grinsen. Und in meinem Kopf singe ich:

》 Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.
Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man,
blieben darunter verborgen und dann
würde, was uns groß und wichtig erscheint,
plötzlich nichtig und klein. 《

Ähnlich ist es bei jeder neuen Formation von Seen und Flüssen und Gestein und Bergen. Verschiedenste Konturen von spitz über Grand Canyon-mäßig bis rund, von groß bis in die nächste Wolkendecke und mit schmalen, steinigen Wasserfällen und Bächen bis klein und bewachsen mit verschiedenen Gräsern oder komischen Bäumen.
Bis vorgestern habe ich noch gedacht, dass mich Berge nicht so sehr reizen wie Küsten… Aber da lag ich offensichtlich falsch. : ) Heute hab ich mir gleich ein paar taugliche Wanderschuhe gekauft. haha

Leider habe ich nicht so viele und gute Fotos machen können, weil wir ziemlich schnell mit dem Auto unterwegs waren. Aber wer weiß… Man sieht sich immer zweimal im Leben. Hör zu, ich bin noch nicht fertig mit dir, Cajas! : D

Cuenca ist auch nicht von schlechten Eltern. Immer mit der Berg- und Wolkenkulisse im Hintergrund und einer wundervollen Altstadt mit ihrer bestaunenswerten Architektur… Besonders! : ) Und mit einem Fluss, von dem sich die Kanäle Hamburgs mal eine dicke Scheibe abschneiden könnten.
Hm… Mein Wortschatz dreht sich langsam im Kreis. Wunderschön, wundervoll, wunderbar… haha

Dank eines Freundes, der Angrid zur Hochzeit eine Nacht in der ***** Hotelkette Oro Verde schenkte, haben wir zu fünft auf zwei ordentlich luxuriösen Doppelbetten geschlafen. Zusammengeschoben zu einer einzigen Liegewiese ziemlich kuschlig. : ) Und da die Buchung nur für zwei Personen galt, haben wir anderen drei uns raffiniert dazugeschlichen und beim geeeiiilen Frühstücks-Buffet einfach mal auf ganz normal getan. Und sind damit durchgekommen. Dreistigkeit siegt! Yeah!

Und alle anderen sportlichen Aktivitäten sollte man in erster Zeit übrigens mit Vorsicht angehen. Schon nach einem Treppenbsatz kommt man wegen der Höhe ins Schnaufen. haha

In der Nacht von Samstag auf Sonntag war dann Party angesagt. Zuerst gab es einen wunderschön-wundervoll-wunderbares Panorama von oben auf Cuenca bei Nacht und ein komisches, landestypisches und stark alkoholisches Getränk. Dann ein paar lustige Stündchen im Bierhaus mit 750 Millilitern unleckerem Bier, dann stundenlanges Tanzen und ’ne Menge Gaudi zu Merengue- und Salsa-Beats. Und Tequila… Oh-oh-oh… haha
Und ich hätte nicht gedacht, dass ich immernoch so Salsa tanzen kann. Natürlich längst nicht so gut wie der durchschnittliche Lateinamerikaner, aber dennoch nicht schlecht für eine schlaksige Deutsche, die das seit bestimmt 8 Jahren nicht mehr gemacht hat. Ich hab wieder Blut geleckt und will mehr, tanzen macht glücklich! : D

Alles in einem ein sehr beeindruckendes, zufriedenstellendes, inspirierendes, beglückendes, tolles Wochenende mit tollen Menschen an tollen Orten. : ) Danke dafür! ♡

Guayaquil

Aaalso, es folgt der vermutlich längste Blogeintrag meines Lebens. Sorry, dass das so lange gedauert hat, hier ist grad irgendwie viel los. : )

Naja, ich habe jetzt also meine erste Woche in Guayaquil bzw. Ecuador bzw. Lateinamerika überstanden.
Gerade sitze ich mit Rosa, ihrem Bruder Manolo und ihrer Mutter und Hausherrin Yayo in der Küche während die Bedienstete Narcisa sich um das Mittagessen und den Abwasch kümmert. Außerdem lerne ich nebenbei von Rosa, wie man aus plátanos verdes,  also grünen Kochbananen, das super leckere Frühstück Bolón macht. Dann mache ich es nach, wenn ich zurück bin. : )

Rosa

Rosa Moreno habe ich über couchsurfing.org gesucht und gefunden. Für uns beide ist es das erste Mal, dass wir jemanden über dieses Portal treffen und sind positiv überrascht. Wir unternehmen täglich etwas in der Stadt und weil sie gerade Semesterferien hat, lädt sie fast jeden Abend ihre tollen Freunde hierher ein. Die Kommunikation ist leider noch etwas schwierig, beide mit unperfektem Englisch und ich mit meinem sehr eingerosteten Anfängerspanisch. Im Notfall müssen dann immernoch Hände und Füße her oooder… Google Translate! : D

Rosa, übrigens auch 25, ist unfassbar freundlich und im gesunden Maße ziemlich lóca, also haben wir eine gute Basis und verstehen uns super. : )
Sie und ihre Familie nehmen mich sehr großzügig auf, ganz nach dem „mi casa es tu casa“-Prinzip lassen sie mich sogar alleine im Haus.

Eigentlich dachte ich, ich würde nur ein paar Tage bleiben, aber hier ist alles soo easy… Wir mögen uns, erleben viel und machen weitere Pläne… Hier kann ich noch viel lernen und fühle mich sicher und willkommen. Anscheinend bleibe ich mindestens noch eine Woche. Morgen fahren wir mit dreien ihrer Freunde zwei Tage ins wunderschöne Cuenca, außerdem wurden wir von Rosas Vater auf eine Tages-Erlebnis-Tour nach Bucay eingeladen (Kayak fahren, am Wasserfall klettern und so) und Rosa und ich fahren vielleicht in ihr Strandhaus in Ballenita. Außerdem steht eigentlich noch Tauchen auf dem Zettel. Rosa hat nämlich eine Lizenz für sowas. : )

Familie Moreno

Die Familie Moreno hat es mit der Herstellung und dem Verkauf von Pipelines und der Vermietung von Baumaschinen bis in die gehobene Mittelklasse geschafft, wenn sie nicht sogar recht reich sind für ecuadorianische Verhältnisse…
Das Haus hat 3,5 Wohnzimmer, 3 Schlafzimmer und 5 Badezimmer auf 2 Stockwerken, einen Pool, Barbecue-Bereich und ein Mini-Fitnessstudio. Dazu Montags bis Freitags eine Bedienstete namens Narcisa für die Küche und Haushalt, einen Putzmann und andere Leute die ab und an mal herkommen und helfen wie ein Poolputzer zum Beispiel. Eine „Nana“ hatte Rosa auch.
Wirklich sehr gewöhnungsbedürftig, wenn jemand für einen alles machen will. Naja, ich will mich gar nicht daran gewöhnen, weil es sich komisch anfühlt. Wenn ich mir in der Küche irgendwas selbst mache, beobachtet sie mich und wartet, dass es Arbeit für sie gibt. Nicht mal mein eigenes Geschirr darf ich abwaschen… Hilfe!

Wie im Zoo…

Man mag es kaum glauben, aber hier bin ich wirklich sowas wie eine  Attraktion. In einer Woche habe ich gerade mal drei Personen gezählt,  die größer sind als ich! Die Ecuadorianer sind winzig, haben außerdem allermeistens schwarze Haare, einen dunkleren Teint, braune Augen und ein paar mehr Kilos auf den Rippen.
Eine 183 Zentimeter große, blonde, blauäugige Bohnenstange wie ich ist hier wie ein Eisbär in der Sahara. Auf der Straße drehen sich die Leute mit offenem Mund nach mir um und starren ungeniert. haha
Und ein Beispiel: heute war die Friseurin hier. Nachdem sie mit mir fertig war, musste dann noch ein Foto her, auf dem sie mir stolz grad unter die Achseln reicht und signalisiert „Ich hab Barbie die Haare geschnitten“. Das Bild ist jetzt ihr neues WhatsApp-Anzeigebild. Wirklich, als wäre ich ein A-Promi…

Guayaquil und die Leute

Guayaquil ist riesig. Und mit 2,5 Mio Einwohnern die größte Stadt Ecuadors und außerdem wichtigster Hafen. 30 C° und 70% Luftfeuchtigkeit sind hier im September Standard und wir haben gerade die kalte Jahreszeit…
Die Arbeitslosigkeit beträgt ungefähr 8% und 50% sind selbstständig. Wobei zweites hier eher heißt, die Autofahrer an den roten Ampeln mit Früchten, landestypischen Snacks, Wasserflaschen oder Kleinelektronik zu bedrängen oder in Einkaufsstraßen Schuhe zu putzen.

Ein sehr großer Teil der Menschen hier ist arm und lebt in sehr heruntergekommenen Häusern. Oder besser gesagt in zerfallenden Steinhütten und Bruchbuden… Aber selbst in reicheren Gegenden und so auch hier im Haus bröckeln die Wände, alles ist irgendwie schief, alt und meistens dreckig. Der Lebensstandard ist mit Deutschlands natürlich nicht zu vergleichen. Selbst die Einheimischen der gehobenen Mittelschicht, mit Haus/Wohnung, Bildung, Job und Auto sagen von sich selbst, dass sie in der dritten Welt leben. 

Auf der Straße

Ich denke, wer noch nicht im guayaquilanischen Verkehr umgekommen ist, kann sich glücklich schätzen. haha
Ne, Spaß bei Seite. Die fahren hier echt wie die Henker. Sowas wie Spuren gibt es nicht. Blinken, Geschwindigkeitsbegrenzung, Anschnallen geschweige denn Voraussicht oder Einsicht. Alle anderen fahren natürlich immer voll scheiße, aber selbst schneiden wie ein Weltmeister. Gestern habe ich kurz einen toten Menschen am Straßenrand liegen sehen… Umstellt von Polizei und Gaffern…
Dennoch ist man hier auf ein Auto angewiesen. Guayaquil ist wirklich riesig und man kommt von A nach B nur über schier unendliche und breite Avenues.

Okay… Mama, kannst du den folgenden Absatz bitte überspringen? Ich würde damit gerne einen Herzinfarkt vermeiden. : )

Selbst die Einheimischen haben Angst vor der Kriminalität hier. Also Raub. Wenn man durch die Straßen geht bzw. fährt sieht man keine Fenster, Türen oder Garagen ohne Metallgitter. Rosa schließt das Auto immer ab wenn sie drin sitzt und lässt die Fenster geschlossen. Wertvolle Dinge werden in den armen Gegenden nicht öffentlich gezeigt, die Tasche eng am Körper getragen oder vor dem Bauch. Und da hier so gut wie jeder arm ist, ist fast überall Vorsicht geboten.
Aber wenn man sich nicht dumm anstellt, aufmerksam ist und Bescheid weiß, kann man schon mal ordentlich vorbeugen. Denn natürlich suchen sich diejenige welche am liebsten die Schwachen und Alten aus. Leute wie mich, die anders aussehen und wenn sie nicht wach sind, träumen und eine Fotosession im Armenviertel starten wollen. haha

Essen und Trinken

Um mal in meine Wette mit einzusteigen… Wenn das so weitergeht werde ich mit großer Sicherheit mit 20 Kilo mehr wiederkommen! Und ich meine nicht das Gepäck… haha

Ständig höre ich Rosa sagen: „Oh, that’s really typical food. It’s reeeaaally delicious!“
So kommt es also, dass ich den ganzen Tag typisch ecuadorianisches Essen ausprobiere und das meiste davon ist dummer Weise wirklich super lecker. Das liegt wohl an dem ganzen Fett und Zucker. haha
Die Leute hier lieben es frittiert oder gebraten und als Beilage gibt es wirklich immer eine Riesenportion Reis. Und Fleisch. Immer.
Und hier in Guayaquil gibt es Kochbananen zu allem und in jeder Form. Vor allem auch weil sie regional und deshalb günstig sind. Püree, Soße, Suppe, Chips, als Beilage, frittiert, gebraten, gekocht, in allen erdenklichen Farben und Formen. Ich liebe es. : )
Außerdem macht Narcisa ganz wunderbare und frische Fruchtschorlen und Säfte, das ist üblich in den ecuadorianischen Haushalten. Maracuja, Naranjilla oder Ananas mit Hafermilch und Zimt… Wahnsinn…
Nur dass oft mit Koriander gewürzt wird, dürften sie meiner Meinung nach gerne lassen. haha

Und dass man hier in den richtigen Monaten Avocado, Bananen, Kokosnüsse, Orangen, Kakao, Kaffee und Mangos pflücken kann, daran muss ich mich auch noch gewöhnen. : D

Okay, jetzt reicht’s… Schlafenszeit und morgen früh geht’s nach Cuenca.

Allerliebste Grüße!

Über den Wolken

Ich habs geschafft! Ich bin tatsächlich lebend angekommen. : )

Hier ein paar Gedanken die mir so auf dem 21-Stunden-Flug Frankfurt-Santa Domingo-Panama-Guayaquil durch den Kopf gegangen sind, chronologisch natürlich:

1. Scheiße,  ist das eng hier!

2. Ich denke das Paar neben mir hatte gerade Sex auf einer Flugzeugtoilette.
Die Indizien sprechen für sich: beide sind gleichzeitig für längere Zeit weg, er kommt zuerst wieder, wartet im Gang auf sie und guckt selbstbewusst in die schlafende Runde. Sie kommt einige Minuten später nach, grinsend bis über beide Ohren, macht sich verlegen ihre Haare zurecht. Seine Körperhaltung sagt: „Wacht auf, seht her! Ich bin ein Held!“ Und zum Abschluss gibt’s noch einen innigen Kuss…

3. Memo an mich selbst: meide Flugzeugtoiletten!

4. Ich liebe Fliegen trotzdem! Das Kribbeln wenn das Flugzeug beim Start immer schneller wird, wie es dann die Nase hebt und den Kontakt zum Boden verliert… Ich sehe die Lichter Frankfurts, die Küste Santa Domingos und Panama von oben kleiner werden und schwupps bewege ich mich mit 850 km/h in 10.000 Meter Höhe durch die Luft. Alle fünf Minuten wechselt sich die Aussicht so sehr, dass ich nicht widerstehen kann und ein weiteres Flugzeugfensterfoto machen muss. Das Ruckeln der Maschine bei irgendwelchen Böen und die Landung…
Erstaunlich, was ein raffiniert zusammengeschraubter Haufen aus Blech und Elektronik so kann. : D

Zwischendurch habe ich meine 4,5-stündige Wartezeit in Panama City mit zwei 18-jährigen Mädels und einem 19-Jährigen verbracht. „Wo kommst du her? Wo geht’s hin? Und dann? Lust auf ne Runde Schwimmen?“ Hier bin ich mit meinem abgeschlossenen Studium und Arbeitserfahrung die Mutti! : D

Die Tage gibt’s bestimmt nen unfassbar interessanten Bericht zu meiner tollen Gastgeberin Rose, meiner Ankunft in Guayaquil und ein paar Fotos. Vielleicht morgen… : )